»Was wolltest Du von mir?« fragte er.

»Geben Sie mir beruhigende Tropfen für Hede Marusch mit«, sagte Fritzchen, immer noch in demselben, etwas steifnackigen Ton, in dem sie angefangen hatte, zu sprechen. »Sie ist jetzt ohne Besinnung und wird wohl sterben!«

»Ach, Kind, warst Du bei ihr? Das ist gut von Dir. So schnell geht es mit ihr zu Ende? Ich wollte ihr heute noch das Abendmahl geben, dann will ich doch lieber gleich –«

»Sie will es nicht mehr, selbst wenn sie bei Bewußtsein wäre«, sagte Fritzchen mit klingender Stimme. »Vielleicht fordert sie es sich noch in der Angst, aber was hat das für Wert! Was hat dies Ducken, Betteln und Winseln überhaupt für Wert!«

»Frida!« rief der alte Herr in großer Bekümmernis. »Ich will nicht glauben, daß Du so zu ihr gesprochen hast.«

»Doch!« rief das wilde Kind. Ihre roten Lippen zuckten vor Kriegslust.

»Das hast Du getan? Und gerade bei der? Meine ganze schwere Arbeit wieder zerstört? O Kind, Gott vergebe Dir Deine Unwissenheit und Deinen Trotz und Deine fürchterliche Vermessenheit. – O sieh, mir fehlen die Worte für Dich! Und das unglückliche Geschöpf, das Du in die Verdammnis getrieben hast, und das Dich verklagen wird vor Gottes Richterstuhl –«

»So sagen Sie mir das eine!« rief Frida in ausbrechender Heftigkeit, »warum Gott sich immer nur Sklaven wünscht und lieber eine geheuchelte Demut will als eine gerade und offene Rebellion?«

Ihre Worte klangen und verhallten, dann wurde es seltsam stumm im Raum. Der alte Pastor griff hinter sich an eine Stuhllehne, als müsse er sich halten, und tappte sich mühsam bis zu dem Rohrsessel vor seinem alten gelben Schreibtisch. Er kehrte sein Gesicht Herrn v. Zülchow zu, der stumm dem wunderlichen Auftritte zugesehen hatte.

»Das ist es, was ich hinterlasse –«, sagte er in gebrochenem Ton. »Das habe ich als Resultat meines ganzen Lebens erreicht. Jetzt seh' ich's: ich war immer ein unnützer Knecht. Sie werden mehr erreichen mit Gottes Hilfe –«