Er bedeckte das Gesicht mit der Hand, und es schien, als ob er schluchze.

Gregor v. Zülchow sah das Kind an, das den Jammer dieses Greises verschuldet hatte. Wie es dastand, war es zugleich schön und wild, ein Bild des rücksichtslosen Lebens.

»Seien Sie doch nicht betrübt«, sagte sie. »Sie haben hier das ganze Reich erobert und Gott zu Füßen gelegt. Die Kirche ist immer voll, die Leute beten und glauben Ihnen alles aufs Wort. Was tut da ein schwarzes Schaf! Verdammen Sie es, aber seien Sie nicht plötzlich so verzweifelt. Herr v. Zülchow, helfen Sie ihm!«

»Das ist das Ende. So ist das Ende –« murmelte Pastor Baumann.

»Seit wann wollen wir denn glänzende Früchte sehen?« sagte der junge Hofprediger. Es war ein herber Ton in seinen Worten. »Kampf ist unser Weg, und auch das Ende ist kein Friede. Wollte ich ein vollkommenes Erbe antreten, ein geglättetes Reich? Legen Sie ruhig Ihr Handwerkszeug aus den Händen, Sie haben getan, was Sie konnten, und ich werde tun, was ich kann.«

»Ja – ja – ich danke Ihnen –«, sagte der alte Pastor. Er strich sich über Stirn und Augen, dann griff er in ein Fach zur linken Hand. »Hier, Frida. Die alte Marusch soll der Hede davon jede Viertelstunde sechs Tropfen geben. Jede Viertelstunde sechs Tropfen. Aber gib's nur ab, halte Dich dort nicht mehr auf. Es ist nicht gut, ich verbiete es Dir. Ich will mir nur Stiefel und den Talar anziehen, dann komme ich hin. Sag' den Leuten das. Nun geh. – Versprichst Du mir, so zu tun?«

»Ja.«

Er hielt ihre Hand fest, die sich nach dem Fläschchen streckte. »Lebe wohl, Fritzchen. Armes Kind. Du hast keine Mutter gehabt. So wild aufgewachsen wie ein Füllen, nicht wie eine kostbare Seele, die behütet werden muß. Lebe wohl, ich kann Dir jetzt nichts mehr sein. Ein andrer wird mir diese Sorge abnehmen. Nun geh. Die Zeit drängt, sie drängt, sie drängt –«

»Ich werde mitgehen«, sagte Gregor. »Für heute leben Sie wohl, Herr Pfarrer, und vielen herzlichen Dank. Auf Wiedersehen, es ist ja noch manches zu erledigen.«

»Auf Wiedersehen!« sagte der alte Mann.