Sonst hatte die Kälte seines Wesens sie bezaubert, trotz des Leidens, das sie ihr auflud. Heute reizte sie sie nur.

»Genug der Worte!« rief sie außer sich. »Ich will keine Predigt von Dir, wenigstens heute nicht. Du bist mir schuldig, mir Rede zu stehen. Bei Deiner Kindespflicht und Mannesehre rufe ich Dich an. Ich stehe auch im Namen Deines Vaters hier. Ja – überdrüssig mag es Dir wohl sein, aber ich kann Dir diesen Überdruß nicht ersparen, mein Sohn!«

Sie war so schön und hatte eine solche große, stolze Gestalt, daß auch dieser Zorn- und Grollausbruch einen majestätischen Anflug hatte. Aber um Gregors Mund ging ein leises, böses Zucken. Innerlich lachte er verächtlich über das, was er als Komödie empfand, um eine mütterliche Neugier, Eifersucht und Empfindlichkeit zu bemänteln.

Er lehnte sich an das Fensterbrett und kreuzte die Arme. »Gut, Mama, wenn Du es so wichtig nimmst, will ich Dir antworten. Was wolltest Du erfahren? Ohne Zweifel weißt Du schon das meiste.«

»Ich weiß nichts«, sagte sie und setzte sich in einen Lehnstuhl. Mit einem Tüchlein trocknete sie das brennende Gesicht, kühlte die heißen Augen. »Es handelt sich um die Prinzessin Maria, nicht wahr, Gregor?«

»Ich denke«, sagte er kühl.

»Ihr wart – viel zusammen –? Ihr – hattet miteinander ein – ein – eine Verständigung?«

»Ich weiß nicht, was Du damit meinst. Sie ist ein kluges und feines Mädchen, wir haben über des Lebens größeste Fragen miteinander gesprochen. Dann kam auf ihrer Seite das Persönliche. Sie war ein verwöhntes Kind.«

Er schwieg wieder. Seine Mutter sah nicht, daß sie ihn quälte. Auch ihm war unter diesen Trümmern ein Reich begraben worden, das wohl größer war, als sie je ermessen konnte. Aber sie stieß und zerrte ihn weiter.

»Hast Du ihr – Gregor – hast Du ihr von Liebe gesprochen? Ging es soweit?«