»Mutter –«, sagte er mit eiskalten Augen. »Dieses sind Fragen, deren Beantwortung Du in besserer Stunde selbst verurteilen würdest. – Verzeih mir, aber ich würde Dich und mich erniedrigen, wenn ich über den Inhalt jener Stunde plaudern könnte. Wenn Du noch weiteres willst, so ist es dies: die Prinzessin hat ihrem Vater selber Mitteilung gemacht. Nicht als Buße, sondern in einer törichten Hoffnung. Dann kam ein Sturm, der sehr kurz und stark vorüberbrauste. – – Es haben oft in einem Konflikt alle recht, aber einer muß die Zeche bezahlen. Das ist nun einmal so.«

»Und der eine mußtest Du sein!«

»Gewiß. Übrigens trägt hier doch jeder seinen Teil.«

»Und jetzt gehst Du als armseliger Dorfpastor unter das Patronat dieses Dörfflin? Gregor, Du warst nie unüberlegt, aber dies ist unermeßlich überstürzt. War es Dir so schnell um eine andere Stelle zu tun?«

»Ja!« sagte er.

Eine bange, schwere Pause trat ein, sie sah ihn an und erschauerte.

Du, mein Sohn – dachte sie – jetzt habe ich an Dir gerissen, wie nur eine verzweifelte Mutter es vermag. Was hat es genützt? Tropfen hast Du in meinen leeren Becher fallen lassen: Da stehst Du und siehst an mir vorbei ins Leere. War es die Wahrheit, was Du sagtest? Oder ein Teil der Wahrheit – oder vielleicht nur ihr Schein?

Und muß ich mich hier vor Dir winden im irren Fragen, Forschen, Verzweifeln und hoffnungslos in Dein Gesicht sehen?

Bin ich dazu Mutter geworden?

* * *