Ja, der Vogel war wohl frei, aber der Jäger nicht.
Er ließ ihre Hand los. »Auf Wiedersehen und Dank.«
»Gute Nacht, Herr Pfarrer.«
Sie war schon in der Tür, da wandte sie sich noch einmal um. Ihr Gesicht war jetzt ganz unkenntlich in der Dunkelheit, aber ihre Stimme klang schwer.
»Es ist für Sie – kein leichter Tausch. Ich weiß nicht, wie es Ihnen sein wird. Sie müssen so viel vermissen, nicht nur im Hause, sondern auch in der Gemeinde. Unsere Bauern sind sehr dumm, und sie sind durch alle die Krankheiten auch sehr heruntergekommen. Und Sie waren immer so verwöhnt. Ich kann das ja nicht durchsehen, aber es ist gewiß viel Stärke nötig –«
»Ich bin ein Diener der Kirche!« sagte er mit starker Stimme und mit jener klingenden Kälte im Ton, die von jeher zu seinem Wesen gehörte. »Es existiert für mich nicht die Frage nach bequem oder unbequem, sondern ganz andere Gesichtspunkte kommen hier in Frage. Ich hatte Grund, diesen Weg zu wählen. Glauben Sie mir das.«
»Ja«, sagte sie still und fest. »Ich habe es immer geglaubt. Muß man denn immer wissen: Warum und wozu und woher und alles? Jeder hat doch seinen Weg für sich, den er im Grunde nur allein kennt. Das ist ja so langweilig und unnütz, wenn alle die anderen Leute daran herumzupfen und fragen und reden, was gar nicht dazu paßt.«
»So ist es, mein guter Kamerad!« rief er froh.
Er kam zu ihr, und sie, in ihrem inneren Jubel, hob die Arme auf zu ihm. Da nahm er erschüttert ihren heißen jungen Kopf in seine Hände und sah ihr in die Augen.
»Jetzt sind wir verbündet, mein Kamerad!« rief er voller Übermut.