Was sollte das werden an den Krankenbetten, bei Geburt und Tod, bei all den tausendfältigen Nöten des Leibes und der Seele? Man mußte nur wissen, was hier in den entlegenen Dörfern der Pastor bedeutete.

Immer war des alten Mannes Sorgen und Mühen für seine Gemeinde als etwas Selbstverständliches hingenommen. Jetzt ging sein Geist durch die dichtgedrängte atemlose Kirche.

Wird der da mit der Brille, zu meinem Lisching kommen, wenn es Krämpfe hat? Wird er unserm Jochen den Kopf zurechtsetzen, wenn er Späne macht und nicht arbeiten will? Wird der uns oll Mudder trösten in ihrem Husten? Wird der bei unsern »Kinddöps« sitzen und lustige Toaste ausbringen?

Ich bin sein Kamerad und wir haben einen Bund gemacht! dachte Fritzchen. Der Gedanke durchglühte sie wie edler Wein, sie gab ihn weiter als ein stummes Versprechen an die Menge unten.

Ihr Herz hatte keine Furcht mehr vor dem fremden Manne.

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An demselben Nachmittag kam er zu ihnen aufs Schloß. Er hatte noch über Land in zwei Filialkirchen zu predigen gehabt, ein Wagen vom Gut hatte ihn nach alter Überlieferung gefahren.

Er war das nicht gewöhnt, der Hofprediger, in Wetter und Wind, wirbelnden Schnee ums Gesicht zwei Stunden weit auf schlechten Landwegen zu fahren, um dann abermals in einer ungeheizten Kirche zu predigen. Ihn fror, und der Kopf schmerzte ihn. Außerdem saß ihm ein fades Gefühl in der Brust. Die Leute glaubten mit Unrecht, daß er zu hochmütig sei, um verständlich zu reden, er hatte sich Mühe gegeben, sich ihnen anzupassen, aber Ton und Äußeres für einen Landpfarrer war ihm nicht gegeben. Er sah die gespannten Gesichter enttäuscht und leer werden. Er wußte auch: Heute sind die Kirchen voll, bald werde ich vor leeren Bänken reden können.

Ich glaubte mit meinem Geschick schalten zu können, aber da stehe ich unversehens an meiner Grenze.

Der Schulz im nächsten Dorf, ein auf seine Bildung stolzer Herr, sah ihn mit unverhohlener und etwas frecher Neugier an. Es fielen ein paar zudringliche Worte, ob dem Herrn Pastor die Luft in der Residenz nicht zuträglich gewesen sei, man höre ja so oft von dumpfer Großstadtluft. Der Schulz im dritten Dorf und der Förster waren bäurischer, aber um so deutlicher. Sie fragten geradezu, wie der Herr Pastor solchen schlechten Tausch machen könne.