Frau v. Pohle schloß sich an. Sie wußte, wie man in Gesellschaft spricht, und erwartete zudem nichts anderes von dem Manne, den sie als Modeprediger empfand und dessen Kommen aufs Dorf sie entweder für eine spielerische Laune oder für irgend einen Verlegenheitscoup nahm. Sie hatte keine große Sympathie für ihn und bestärkte ihn absichtlich in dem leichten Ton, um Fritzchens willen.

Verdirb Dir nicht länger Deine hellen jungen Augen an diesem Trugbild der Herrlichkeit! dachte sie bei sich im Herzen.

Herr v. Dörfflin spielte eine Null. Das war nicht gut für ihn, noch für seinen Gutspfarrer. Diese Einführung war die allerschlechteste: Mit der Weltdame des Hauses im Gesellschaftston verkehren und rechts und links jede tiefere, kräftigere Saite unangeschlagen zu lassen.

Fritzchen aber saß in der tiefen Fensterecke, sprach gar nicht mit, sondern sah nach ihren Freunden, den Wolken.

Es hatte aufgehört zu schneien. Eine dunstige gelbgraue Schicht umschloß den Horizont. Darüber zogen wie ungeordnete Scharen, die sich eine neue Heimat suchten, zerrissene und geballte, dünne und massige Wolkengebilde.

Seine Stimme klang im Raum, aber so, wie sie klang, hatte sie keine Macht über dies unabhängige Herz. Es ging davon, zu den Wolken hinauf. Nicht betrübt, nicht im Groll, aber in einer Träumerei, die vielleicht die schlechteste Huldigung war, die jemals dem Freiherrn und Pfarrer Gregor v. Zülchow dargebracht war.

Ein paarmal sah er zu ihr hin. Welch ein Kind sie doch noch war, sich abseits zu setzen und aus dem Fenster zu gucken. Er lächelte. Er dachte an den Wein, den er fortgeschoben hatte –

Gisela sprach von seiner Predigt. Sie hatte gut aufgemerkt und spielte mit religiösen Schlagworten wie mit einer ganz besonders graziösen, gesellschaftlichen Attraktion. Diese Handhabung war er gewöhnt. Ganz wie etwas Selbstverständliches sprach sie es aus, daß er sich in die ländliche Stille zurückgezogen habe, um ungestört für seine Professur zu arbeiten.

»Ich bewundere Ihren Scharfblick!« sagte er ernst mit einer Verbeugung.

In Wahrheit war ihm diese Lösung nicht fremd, er hatte sie schon vor diesem Sonntag erwogen, und die heutige Erkenntnis, wie schlecht er für das Predigtamt tauge, wenn er es nicht als glänzende Draperie für seine Person gebrauchte, hatte ihm den Gedanken befestigt, diese neue und aussichtsreiche Laufbahn einer Art Sühne vorzuziehen, die ihm in ihrer herben und erlösenden Asketenhaftigkeit heute doch schon phantastisch vorkam.