Frau v. Pohle dachte: Wieviel verlorene Liebesmüh'!
Gregors Lächeln war verflogen, er sah voll Ernst und Überraschung in das ungestüme, ehrliche Gesicht. Wie seltsam dieser volle, starke Ton in das halbe Gezwitscher klang, das bisher den Raum gefüllt hatte!
»Übergang ist alles, auch unser bestes«, sagte er, halb unbewußt die Worte formend und doch mit einem tiefen Interesse und einer Gier auf ihre Erwiderung.
Ihre Augen wurden ungeduldig. »Wir wissen es dann aber nicht, während wir drin sind«, sagte sie zu ihm.
»Du verstehst einfach nichts davon, Frida!« sagte Gisela mißächtlich. »Wie kannst Du abmessen, was für Herrn Baron v. Zülchow die entsprechende Laufbahn ist!«
»Ich weiß aber, daß man sein Wort halten muß!« rief Fritzchen flammend. »Und das haben Sie den Leuten hier im Dorf gegeben. Alle warten auf Sie, Sie haben es getan!«
Er stand auf. Was war es, das ihn anrief? Sein eignes stärkeres, edleres, freieres Herz! Halte auch Dir Dein Wort! Laß Dir genügen an der armen, herben, unberühmten Arbeit. In dem Kind ruft Gott Dich an.
Unter dem Durcheinander von Stimmen, das sich jetzt erhob, da Gisela und auch der Gutsherr und auch Frau v. Pohle alle etwas eilig und heftig zu sagen hatten, auf das er nicht hörte und das er nicht verstand, sah er dem jungen Geist in die Augen, mit dem er jählings eine Verwandtschaft entdeckt hatte, von der er bisher nichts wußte.
»Es ist vielleicht nicht alles so, wie Sie denken«, sagte er zu ihr. »Sie schlagen wohl manchmal das Fenster ein, wo Sie zur Tür hineingehen könnten –«
Ihm war, als müsse er sich wehren gegen diese Überfülle von Leben und Forderung, die hier auf ihn einstürmte.