– Es geht ein Wanderer am Meeresstrande, da kommt der wilde Seewind und fährt ihm in den Mantel, und der Wanderer wehrt sich verdrießlich und wickelt den Mantel fester.
Es ist aber noch ein Stück Jungenstollheit in ihm, das hat plötzlich, er weiß nicht wie, einen Bund mit dem Seewind gemacht. Das möchte am liebsten den dummen, lästigen Mantel von sich werfen und mit dem Winde um die Wette jagen und tollen. Aber schau: der Mantel ist wertvoll und sehr notwendig!
Gregor v. Zülchow machte ein kühles Gesicht. Mein Seewind, ich habe doch wohl keine Zeit für Dich.
Er nahm Abschied. Da, wie er schon draußen war, ohne Besinnen, ohne Fragen, ohne ein Tuch umzubinden, jagte das Fritzchen hinter ihm drein.
»Aber Frida, wohin willst Du? Bleib' hier!« schrie Gisela außer sich.
»So laß sie doch!« sagte Herr v. Dörfflin barsch, obwohl er nicht wußte, was sie vorhatte und ob es etwas taugte, was sie vorhatte.
Am Ende ist Herr v. Dörfflin, der arme alte Junker, doch der einzige auf der Welt, der den richtigen Instinkt in dieser Sache hat. »Laß sie doch«, das ist heute noch das beste für solch windwildes Herz. Laß sie nur, sie muß doch ihre eignen Wege laufen. Sie an Rockzipfeln festhalten, ist verlorene Mühe. Laß sie hineinlaufen in ihr Glück und ihr Unheil, in ihr Feuer und Wasser, in all ihr eigenstes, lebendigstes Leben!
Der Wind pfiff um die Hausecke und Vaters zwei große Jagdhunde fuhren mit wildem Freudengeheul auf sie ein, daß sie sie beinahe umwarfen. Gregor blieb erstarrt stehen.
Wollte es ihn doch nicht loslassen?
»Sie haben gesagt, ich wäre Ihr Kamerad!« sagte Fritzchen trotzig. Sie hatte die Hand auf den Kopf der braunen Leda gelegt, der Wind riß an ihrem Kleid und ihrem Haar, aber sie merkte es nicht, sie war mit dem Winde aufgewachsen wie mit den Hunden.