Ja – solche Kameradschaft, ist sie wirklich für Gregor v. Zülchow, den Weltmann und Professor?
Durch die kahlen Bäume und durch das hallende Steintor fährt der Junker Wind, er fährt dem Wanderer in sein Kleid. Vielleicht ist diesmal doch der Mann noch kostbarer als der Mantel? –
»Du wildes Leben – schöner Sturmvogel!« sagte Gregor laut.
Das war der Wind, der ihm die Worte gab, das war der Wind, der sie weitertrug. Im verschneiten Herrenhof von Hohen-Leucken stand der junge Pfarrer mit dem schmalen, kühnen Gesicht, und die Augen waren heiß geworden hinter der goldenen Brille.
»Ja, wir wollen leben! Sehr, sehr viel leben!« sagte Fritzchen. Es war keine Furcht an ihr, sie stand noch immer mit der Hand auf dem Kopf des Hundes. Aber sie schien plötzlich wie gewachsen, ihr Blick weiter, die Stirn edler, der Mund stolzer.
Sie näherte sich ihm nicht, und doch hatte dieser Mann noch nie ein herrlicheres Bild der Selbstübergabe gesehen. Es war so herrlich, daß er für einen Moment die Augen senkte wie vor einem allzu hellen Licht.
Dann gingen sie stumm auseinander. Der seltsame Bund war geschlossen.
Zehntes Kapitel.
Die kahlen Bäume standen still um den vereisten See. Hier und da hing noch ein gelbbraunes Blatt, das bei dem großen Begräbnis übersehen wurde, in den Ästen. Die Weidenbäume streckten ihre dürren Ruten gen Himmel, und der Schnee lag wie ein weißes Tuch, von keinem Menschenfuß betreten.
Fritzchen ging am Ufer entlang mit Leda an der Seite. Es war der Montag Vormittag, und die Sonne schien nach dem gestrigen Schneetreiben. Auch der Wind war schlafen gegangen, es war fast warm im Sonnenschein.