Seit gestern hatte der junge Mund nicht viel gesprochen. Eine erhabene Stille war auf ihr Herz gesunken. In ihr war ein Bangen, daß sie nun nicht mehr allein war im Leben, und eine große Freude, so hell wie die Sonne am Himmel. Aber beides so tief und still, daß kein Wort, kaum ein Gedanke es berührte.
Leda war jetzt ihre Beste. Mit der ging sie seit dem frühen Morgen herum. Sie hatte die rote Sonne über den Schneefeldern gesehen, sie hatten sich durch angewehte Wälle hindurchgearbeitet, jetzt stand die Sonne hoch und sie waren am klaren eisbezogenen See.
Alles war hier, wie es immer gewesen war, wie sie es kannte, seit sie laufen konnte: jeder Baum, jedes Gebüsch, jeder Knick und Graben, der See, der da hinten durch allerlei Gräben mit dem von Tannenwalde und Rummelshof in Verbindung stand. Wieviel Schritte und Schrittchen von ihr lagen hier am Ufer und querfeldein, rechts und links, über den Sandhügel weg, am Moor entlang.
Aber Himmel und Erde haben sich verwandelt, wie sollte da Busch und See noch derselbe sein und die alte Waschbank, die jetzt unter Eis steht und auf der in wärmerer Zeit die Wäsche geklopft wird, daß der Schall von der Waldwand zurückkommt? Selbst die Sonne ist neu, und das eigne Herz ist neu geworden in dieser einen stillen, großen Nacht. –
Wohl ist es die schönste Brautfeier an der klaren, glitzernden Eisfläche, Sonne und Schnee und die große Einsamkeit um sich her.
Der Hundekopf drängte sich an ihr Kleid, sie streichelte ihn. »Ja, Leda, Du weißt.«
Es war noch keine Sehnsucht in ihr. Alles war still, weit und hell wie das Winterbild um sie her.
Auch er hatte die Nacht nicht geschlafen, erst als der Morgen kam, befiel ihn eine schwere, wie tote Müdigkeit. Aber seine Nacht war nicht still und hell gewesen, sondern voller Stürme und Unruhe.
Ich habe Dich lieb – und ich habe Dich nicht lieb. Du bist mir alles – und Du bist mir nichts. Ich will Dich – und ich will Dich nicht!