Als er erwacht, ist die ganze Stube voll Sonne, und im Ofen brennt ein helles Feuer. Er hat die Arme unter dem Kopf und sieht sich um. Wo war er doch? Wie Schatten fliegen die wilden Gestalten der Nacht an ihm vorüber. Ein leises Abwehren, ein Murren der Bequemlichkeit ist in ihm.

Hell ist das Leben und sein Tag, man überwindet auch seine Tiefgänge. Verstricke Dich nicht in Unruhen und Wirren. Nimm des Lebens Süßigkeiten nicht ernster, als Dir und ihnen taugt.

Er stand auf, badete sich ab, brauchte wie immer mehr als eine Stunde zur Toilette, und ging dann in sein Eßzimmer, das nach hinten hinaus zum Garten lag. Das Frühstück stand wie durch unsichtbare Geisterhände gebracht auf dem zierlich gedeckten Tisch. Die Kakaokanne dampfte, Zwieback, eigengebackenes Weißbrot, Butter, gebratenes Fleisch, Schweizerkäse, alles stand bereit. Die Zeitung lag neben seinem Platz, auch ein Brief aus Rummelshof und einige Geschäftssachen aus der Residenz.

Wie die Sonne draußen auf dem Schnee in tausend und abertausend glitzernden Sternchen funkelte! Wie die Bäume feierlich standen, die Zweige gesenkt unter der weichen, weißen Last. Durch die unberührte weiße Decke lief nur eine winzige Spur von einem Kätzchen oder Hasen.

– Ich will Dich doch! sagte der aufblühende, starke, lebendige Mensch in ihm. Er ließ den Frühstückstisch, Briefe, Zeitungen stehen und liegen und ging an das Fenster. Es rief die Sonne, es rief der weite, leuchtende Schnee: Das Leben ist eine Feier, eine starke Tat! Du Narr, mit Deiner Angst und Deinem Vorbeidrücken! Packe es an, da wo es am tollsten schäumt!

Danach kam einer seiner vielen überlichten Momente. Er sah sich selbst wie eine Figur, an der er keinen anderen Teil hatte, als den des interessierten Zuschauers. Er wußte, er konnte auch diese – diese Sache auf die eine Weise so gut wie auf die andre behandeln. Er konnte es tun oder lassen, erfassen oder liegen lassen, alles war bei ihm möglich und begründet. Er war der Mensch der bewußten Zwiespältigkeit, weil seine Intelligenz weit über seinen Instinkt hinausgewachsen war. Dies machte ihn zu gleicher Zeit klug und unschlüssig, fein und schwach, kalt und nervös. Es bedurfte bei ihm nur des bewußten Anrufs an den Willen, um die eine oder die andre Seite zur Geltung und Herrschaft zu bringen.

Er war nicht frei, insofern das Wissen ihn band. Aber er war mächtig, weil das Wissen ihm den Schlüssel zu der Gewalt über sich, das Leben und seine Dinge in die Hand gegeben hatte, und weil seine Instinkte ohnmächtig waren.

Er konnte nicht bezaubert werden, sobald er selbst es nicht wollte.

Das war fade, aber praktisch.

– Nachdem er diesen Überblick über sich selbst wieder einmal gewonnen hatte, drehte er sich vom Fenster ab und setzte sich an den Frühstückstisch. Das blendende Schneelicht war ihm noch in den Augen, so daß sich vor alle Gegenstände ein Flimmern zog, erst allmählich erkannte er alles wieder richtig.