„Was sollen wir denn tun? Abrüsten vielleicht und warten, daß uns der Feind aus dem Lande jagt? Verzeih’, liebe Tante, Du meinst es ja gewiß recht gut, und es paßt auch viel besser für eine Frau, mitleidig als grausam zu sein — aber Du urteilst da über Dinge, die wir Männer naturgemäß besser verstehen.“

„Und doch gibt es manche Frauen, die viel vernünftiger und klüger sind, als manche Männer“, konnte ich mich nun nicht enthalten, zu bemerken.

Jetzt hielt er es für geraten, einzulenken. „Du nimmst mir immer Alles übel. — Wie denkst Du es Dir eigentlich möglich, den Krieg abzuschaffen?“

„Ich denke, daß sich durch guten Willen und festes Zusammenhalten Alles erreichen ließe.“

„Aber praktisch durchgeführt?“

„Hast Du noch nie etwas von der Friedensbewegung gehört?“ erwiderte mit bewunderungswürdiger Geduld an meiner Statt die Tante. „Sie strebt die Vereinigung aller europäischen Völker zu einem einzigen großen Bunde an, und an Stelle des Krieges soll ein permanentes Schiedsgericht treten, durch das allfällige Streitigkeiten auf unblutigem Wege ausgetragen werden.“

„Aber die Menschen werden sich nie einem solchen Urteil fügen, wenn es sich um eine Existenzfrage handelt.“

„Die Einzelnen wollen ja gar nicht den Krieg.“

„Aber sie gehen doch.“

„Weil sie eben nicht gefragt werden. Und zudem wenden die paar Schreier, denen es daran liegt, ihre selbstischen Zwecke zu erreichen, alle nur möglichen Mittel an, um die Menge zu betören, sie ihres gesunden Urteils zu berauben. Eine Art Hypnose, diese ansteckende plötzliche Begeisterung. Die Meisten sind Herdentiere, die hinter dem Leithammel dreinfolgen.“