„Aber das ist ja das reine Examen, liebe Tante“, bemerkte Robert gezwungen lächelnd, plötzlich aber — es schien ihm eben eine gute Idee gekommen zu sein — nahm sein Gesicht einen triumphirenden Ausdruck an. „Weil die Menschen sich sonst zu sehr vermehren würden.“
„Da muß man also von Zeit zu Zeit eine kleine Jagd veranstalten. Ich denke, Ihr könntet das in aller Seelenruhe der Natur überlassen. Sie rafft durch Krankheit und andere Katastrophen fortwährend Tausende hinweg, ohne daß sie noch Euerer Hilfe bedarf. — Ihr tut ja rein, als ob Ihr angestellte Mordknechte wäret. Und dann, es gibt noch soviel übrigen Platz, noch so viel schöne Wildniß, die nur darauf wartet, urbar, dem Menschen untertan gemacht zu werden.“
„Zudem“, sagte Robert, „das Menschengeschlecht würde verweichlichen, degeneriren, wenn es keine Gelegenheit fände, seinen Mut zu erproben.“
„Vergleichen wir die Jetztzeit mit dem Altertum. Obwohl die Kriege bedeutend seltener geworden, sind wir in geistiger Beziehung entschieden vorgeschritten, durchaus nicht degeneriert. Und sieh’ Dir nur einmal die friedliebendste aller Nationen an, die Engländer, was für starke, markige Gestalten. Von persönlicher Tapferkeit kann überdies nicht mehr die Rede sein. Heute entscheidet nur mehr der blinde Zufall. Das ist das Verdienst der unglaublich raffinierten Waffentechnik. — Wenn Dir heute Einer sagte: „Stell’ Dich daher, denn ich sprenge Dich mit einer Bombe in die Luft“, wirst Du Dich sicher gegen diese Zumutung wehren, nicht?“ —
„Gewiß, das hätte ja keinen Sinn, für nichts und wieder nichts.“
„Das ist’s, was ich hören wollte. Und wofür setzest Du im Kriege Dein Leben ein?“
„Ja erlaube mir, da sind doch wichtige Interessen im Spiel. Die Aufrechterhaltung der Dynastie, die — das heißt gewöhnlich die Verteidigung.“
„Ja, aber wenn Alle sich verteidigen — das behauptet nämlich ein Jeder von sich — wer greift dann an? — Du siehst, ein Hirngespinnst, dem zuliebe wir solche Unmassen an Geld und Arbeitskraft opfern.“
„Man muß aber doch vorbereitet sein.“
„Daran liegt es eben. Immer dieses Mißtrauen.“