„Undurchführbar.“

Wir schwiegen Beide, da wir einsahen, daß ein weiteres Wort die Mühe nicht gelohnt hätte. Mit welch’ impertinenter Überlegenheit er es gesagt, das: „Undurchführbar!“

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Tante Laura und ich, wir standen ziemlich allein da mit unseren Ansichten und vermieden es, darüber zu sprechen. Großpapa stack bis über den Ohren in den alten Traditionen und fand an jeder Neuerung etwas auszusetzen. In gewisser Beziehung erinnerte er an Robert, nur besaß er mehr Liebenswürdigkeit wie dieser und eine durch nichts zu trübende Heiterkeit. Er führte stets das große Wort und war genau informiert über die Vorgänge in der Welt. Aus einer Art Pflichtgefühl ließ er sich täglich die Zeitung vorlesen, denn im Grunde ärgerte er sich mehr dabei, als er sich freute. „Ich sag’s ja immer, die neue Schule. Das sind die Resultate“, wenn ein Liebespärchen sich aus dem Staub gemacht, oder: „die Herren Socialdemokraten“, das kommt davon, wenn man den Leuten solche Dummheiten in den Kopf setzt.“

„Die Socialdemokraten sind“, hub Don an — —

„Na ja, Sie sind ja selber Einer, Sie Chineser.“

„Weil der Herr Baron immer glauben, nur früher war Alles gut“, stieß er lachend hervor. Diese kleinen Dispute waren seine einzige Unterhaltung. „Früher sind die jungen Leute auch schon miteinander durchgegangen. Vide „Conradine Romana.““

„A so. No ja, sie hat’s aber auch büßen müssen. Oder haben wir nicht neulich in der Urkunde von 1746 gelesen, daß die Maria Teresia sie einfangen und ins Kloster sperren ließ?“

Dieses Gespräch bezog sich auf eine Steindorf, deren Portrait im Speisesaale hieng. Ein hübsches Gesichtchen, dem der Schelm aus den Augen sah. Mir hatte es immer den Eindruck gemacht, als sei der steife Seidenstoff zu schwer für diese frische, rosige Jugend, als strebe sie, heraus zu schlüpfen und als wollten die übermütigen, krausen Löckchen nichts wissen von einer regelrechten Frisur. Und so war es in der Tat. Das siebzehnjährige Mädchen war sterblich verliebt in ihren Vetter, und da der Vater nichts wissen wollte, und sie nur umso strenger überwachen ließ, nahm sie ihre Zuflucht zu einer List. Die kurzsichtige Erzieherin ahnte nicht, daß sie den Abendsegen über einen verkleideten Haubenstock gesprochen, und als sie am nächsten Morgen ihren Irrtum entdeckte, war das edle Fräulein über alle Berge.

Großmama mengte sich niemals in politische Gespräche, dennoch war es nicht zu verkennen, daß auch sie die jetzigen Zustände nicht billigte, und die Zeiten vorzog, wo Robbot und Zehent an der Tagesordnung war, und die „Herrschaft“ noch etwas galt. Und Großpapa stimmte ihr bei.