„Wir läugnen auch gar nicht, daß es noch unerforschte Kräfte gibt, in der Natur: ich selbst glaube — d. h. bis zu einem gewissen Grade an Suggestion, und an Hypnose: doch das hat mit Deinen Geistern nichts zu tun“, erwiderte Tante Laura.

„Du willst also nicht zugeben, daß welche existieren. Wir haben aber Beweise dafür.“

„Du bist jedenfalls sehr genügsam, Robert, wenn Du Dich damit zufrieden gibst, daß sich im finstern Zimmer ein Tisch bewegt, oder wenn Du fragst, Antworten erteilt, die Dir der erste beste Bauer geben könnte. Ich verlange da schon etwas mehr.“

„Was sollten sie denn sagen? Sie müssen ja auf das Niveau unserer Vernunft herabsteigen, um sich uns verständlich zu machen.“

„Sie müßten im Gegenteil unseren Geist erleuchten, unser Auffassungsvermögen erweitern, damit wir ihnen über die Alltäglichkeit hinausfolgen könnten. Uns ganz ungeahnte, verblüffende Dinge enthüllen, uns von der Zukunft prophezeien. Kannst Du mir etwas in dieser Art anführen?“

„Es ist sehr schwer mit Solchen zu discutieren, die von vornherein nicht glauben wollen.“

„Wenn es Dir gelänge, mich zu überzeugen, würde ich mich gewiß nicht sträuben: aber bis jetzt habt Ihr nichts Markantes aufzuweisen. Im Gegenteil, es ist ja nachgewiesen, daß die paar Haupteffekte, mit denen sich die Spiritisten so gerne brüsten, auf schwindelhaften Manipulationen beruhen. Weshalb scheuen Euere hohen, freien Geister das Tageslicht? Soll nur einmal Einer eine séance bei Sonnenschein halten! Das versuchen sie aber wohlweislich nicht: „im Dunkeln ist’s gut munkeln.“ Und, soll ich Dir offen meine Meinung in dieser Frage sagen?“

„Gewiß“, versetzte er zögernd.

„Ich halte es geradezu für ein Unrecht, für einen Betrug, der dummen, leichtgläubigen Menge solchen Hokuspokus vorzumachen, sie auf den Holzweg zu führen.“

„Aber Du, die Du so viel auf Ethik gibst, siehst Du denn nicht das veredelnde, erhebende Moment? Die Leute werden sich mit ihrem Schicksal viel eher aussöhnen, wenn sie in der Erwartung eines idealen Jenseits leben.“