Hannerl in ihrem besten Staat wünscht mir alles erdenkliche Gute. Ihr Gesicht strahlt vor eitel Wonne, seit Großmama auf unser Zureden, ihre Einwilligung zur Heirat mit Fertel gegeben, der nun zum Förster avanciert war.

Im Winter sollte Hochzeit sein, und täglich nach Feierabend arbeiteten sie an der Einrichtung ihres neuen Heims. Hannerl wurde nicht müde, mir darüber zu berichten:

„Das erste Zimmer soll lichtgrün werden — der Plafond mit Blumen in den Ecken — und der Glaskasten soll“ — — „Ein weißes Haar“ — „da schauen Baroneß“, und mit naivem Interesse hielt sie mir die eine Flechte hin. „Aber nicht ausreißen“, bat sie, als ich es herausziehen wollte — — „das ist ja schön“, und sie plauderte weiter.

Ich aber war nachdenklich geworden. Und wieder kam es über mich, jenes ängstliche, beklemmende Gefühl, das mich in letzter Zeit so häufig beschlich. Eine Art Schwindel und dabei ein Prickeln unter der Haut wie von 1000 Nadelstichen. — — Ich fühlte mich abgespannt und müde; dabei ward es mir zu eng im Zimmer, ich meinte zu ersticken.

Vor dem Tor erwartete mich die Schar der kleinen Gratulanten aus dem Dorf. Sie waren komisch anzusehen, wie sie dastanden, geschniegelt und gestriegelt, und in sichtlicher Befangenheit an ihren Schürzen zupften. Atemlos, als jage Jemand hinter ihnen drein, plapperten sie ihren Vers herunter und seufzten erleichtert auf, als sie damit zu Ende waren.

Nur Reserl hielt mir stumm einen Strauß Reseden hin und küßte mir die Hand. Da stieg es mir heiß in die Augen und ich wandte mich rasch ab — — es sollte Niemand sehen, wie unaufhörlich mir die Tränen über die Wangen rannen, hinab auf die Hände, die hellen, salzigen Tränen.

Das Laub prangt in den glühenden, satten Farben des Herbstes, und feuchte Nebel rieseln herab. Ein eigentümlicher Modergeruch erfüllt die Luft, und zahllose welke Blätter bedecken die Erde. — Ein winziger Vogel hüpft von Ast zu Ast und singt — — es klingt so traurig und gemartert.

Graue Wolken jagen am Himmel dahin: eine unerklärliche Lust erfaßt mich; sie zu haschen, die so rasch entfliehen. „Bleibt, eilt nicht so!“ — — Alles vergeht, ich komme mir so alt vor, und erst später — wie lang wird’s dauern!

Namenlose Traurigkeit erfüllt mich. Ich möchte mich hinlegen zu den toten Blättern und mit vergehen im großen Sterben der Natur.

Müde lassen die letzten Blüten ihre Köpfchen hängen, als hätten sie gar Schweres zu tragen. Wer weiß! Es kann ja Niemand in einer Rosenseele lesen!