„Armes Ding! Vielleicht, daß sich doch was machen läßt. Ich will nachdenken. Eigentlich, wenn er Dir’s versprochen hat, muß er Dich ja heiraten.“
„Das hab’ ich auch geglaubt. Er sagt aber s’ist ein Unsinn.“
„Sein Wort halten, ein Unsinn? Da irrt er sich. Sei ruhig, Franzel — er muß es gut machen.“
„Glauben’s wirkli?“ Sie fiel mir um den Hals und jubelte unter Tränen „wirkli?“ Dann plötzlich mit unheimlicher Entschlossenheit: „Na ja, sonst blieb’ mir nur eins übrig. Dem Vater könnt’ ich ja die Schand’ nit antun.“
Es war plötzlich finster geworden. Graue Wölkchen ballten sich zu einem Klumpen zusammen, verhüllten die Sonne, und ein feiner Regen sprühte uns in’s Gesicht.
„Muß schon spät sein. Wenn ich nicht schnell geh’, komm’ ich nicht zu Mittag nach Haus.“
„Ja, geh’ Franzel und sei ruhig.“
Die Dorfuhr schlug dumpf die zwölfte Stunde, und so oft sie zu neuem Schlage aushub, gab es mir einen Stich in den Kopf. Was ich da soeben gehört, schien mir wie ein dunkler Fleck auf blendenden Rosenwolken, etwas so Häßliches, Düsteres. Da hatte man mir wieder ein Stückchen Illusion geraubt. Ich wußte ja, wie es zugieng in der Welt — ich konnte es tagtäglich in der Zeitung lesen, und dennoch sträubte ich mich, daran zu glauben. Und dann lag es vielleicht auch daran, weil das Echo der Großstadt nur gedämpft zu mir herüberdrang, während ich heute dem Elend gegenübergestanden, ihm ins Auge geblickt.
Mit einemmale überkam mich ein solcher Ekel vor den Menschen; ich fühlte kein Mitleid mehr mit ihnen, nur unsägliche Verachtung.
Ich war dem Dorfe näher gekommen und hörte das schrille Gebrüll eines Schweines. Es tat mir in den Ohren weh; ich bog rasch um die Ecke, und was ich jetzt sah, erfüllte mich mit solchem Entsetzen, daß ich mich an einen Baum halten mußte, um nicht umzufallen.