„Aber doch nur pro forma. Könnte mir nicht im Traum einfallen, sie zu meiner Frau zu erheben.“

„Das ist ein kurioser Ausdruck. Wenn Dich Eine nimmt, wird sie herabsteigen müssen — und zwar sehr tief.“

„Sehr liebenswürdig. Und das Alles, weil ich mich weigere, diese Gans zu heiraten. Nein, den Großeltern, der Familie, mir selbst diese Schmach anzutun, dazu gebe ich mich nicht her.“

„Ich kann nur staunen über diese neue Moral, die jedem Anstandsbegriff ins Gesicht schlägt. Ein Mädchen, das nichts hat als ihren anständigen Namen, unter falschen Vorspiegelungen ins Verderben stürzen, sein Wort brechen, sie im Stich lassen und dann stolz von dannen ziehen mit dem Mäntelchen „Ehrenhaftigkeit“ um die Schultern, ich muß schon sagen, da gehört eine Gewissenlosigkeit sondergleichen dazu.“

„Du bist der Person ganz einfach aufgesessen. Ich wett’, die prahlt vor dem ganzen Dorf damit, daß sie einen „Baron“ gehabt habt. Das passiert nicht einer Jeden.“ Er sagte das mit einem Cynismus, der mir das Blut erstarren ließ. Ich verließ das Zimmer.“

Der armen Franzel konnte also nicht geholfen werden. Sie gestand dem Vater Alles und er versetzte Robert inmitten der Dorfstraße eine schallende Ohrfeige. Es war dies die letzte Erinnerung, die Baron Steindorf von seinem Urlaub mitnahm. Wir hörten noch ab und zu von ihm, sahen ihn aber nicht wieder.

Es hieß, daß er Schulden mache und seine militärischen Pflichten sehr nachlässig erfülle. Schließlich wurde er ein Trinker und gieng in noch jungen Jahren am delirium tremens zu Grunde.

Niemand weinte um ihn. Das einzige Wesen, das ihn geliebt, Franzel, starb, nachdem sie ein totes Kind zur Welt gebracht.

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Vierter Abschnitt.