„Die Mächtigen können so viel leisten, wenn sie nur wollen“, bemerkte Tante Laura.

„Ja freilich. Sollen mit dem guten Beispiel vorangehen. Ist ja nicht schwer. Kostet sie nur ein Wort. — Dann sollen sie Alle ruhig auf ihren Tron bleiben, nicht wie mir erst gestern Einer sagte: „Monarchen abschaffen, Alle miteinander!“ Dazu ist die Zeit noch nicht da. Kann auch so gehen ohne Streit, wie? — Schwert in die Rumpelkammer, Palmenzweig so“, und er machte die Bewegung des Schwingens. „A ja, ja, schöne Sachen, wie? — Und nun verzeihen Sie, daß ich so lang geblieben bin — — auf Wiedersehen!“

Die Tante ist ganz übermütig lustig.

Wir tranken eine Flasche Asti auf den Tod des Krieges und Duells.

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Am 24. Mai.

Die beiden Schwestern aus der Nebenwohnung haben uns besucht. Diese Visite muß ich schildern: es war zu komisch. Sie sind Italienerinnen, capricieren sich aber, deutsch zu sprechen. „Weil ’s is eine Heflichkeit, die was wir haben für jedermann, das kommt in unsere Land.“

Da läßt sich also nichts einwenden.

Sie haben ihre Jugend bereits zu Grabe geläutet und geben sich auch durchaus keine Mühe, über diese Tatsache hinwegzutäuschen. Von Eitelkeit keine Idee: dessenungeachtet lieben sie es, in den Erinnerungen der tempi passati zu schwelgen. Das Gesicht Corona’s, der Älteren, zeigt noch die Spuren einer gewissen, rasch verflüchtigten Schönheit, das, was man „beauté du diable“ zu nennen pflegt. Die Augen sind dunkel und groß, die Nase ist scharf gebogen und zu lang, die Gestalt breit und untersetzt.

Pepi’s Äußeres ist sehr nichtssagend. Sie scheint es zu wissen und hat es sich zur Pflicht gemacht, über die eigene Person zu schweigen und nur die Vorzüge der Schwester zu rühmen.