Eines aber haben sie gemein: im Schnattern sind sie Meisterinnen.
Corona entschuldigt sich, daß sie in Filzschuhen erschienen ist. „Weil’s in diese Winter so eine Kälten gehabt hat, da hab’ ich mir alle Finger von die Fiß gefrört. Es tut noch immer weh.“ Und Pepi lieferte die mimische Begleitung zu diesem Geständnis, indem sie von einem Bein auf das andere hüpft und mit zusammengekniffenen Lippen murmelt: „Arme Corona! Uh, diese Schmers.“
Wir kommen auf die Geselligkeit zu reden. Sie gehen häufig in’s Theater, im Übrigen leben sie abgeschlossen, ohne etwas mitzumachen. Sie erklären auch ohne Umschweife, warum:
„Es is so eine eigene Sach’! Wenn man in unsere Alter auf Soiréen geht, schauen Einen die Leut’ so komisch an und denken sich: „Was wollen denn Die da? Warum habens nit früher geheiratet, die Gredeln?“ Es is ja grad so, als ob man eine Sünd’ auf die Körper hätt’. Ein paar so Cavaliere, die was kein Geld in der Taschen haben, meinen am End’, es muß uns eine Ehr’ sein, wenn’s uns schön tun. Möchten uns nehmen, um ein Geschäft zu machen, damit sie uns beerben. Diese Comödi kennen wir. Aber aufsitzen tun wir nicht, weil wir keine Hase sind von diese Jahr. Überhaupt: sind Alle miteinander nix wert, diese Männer. Unsere größte Stolz is, daß wir ledig sind.“
„Ma, Corona“, unterbricht sie Pepi. „Warum sprichst denn so? Grad Du hast zehne gehabt, an eine jede Hand, auch eine Fürst. Ja“, setzt sie mit triumphierendem Lächeln hinzu, „verliebt war er bis über die Ohren, aber der Papa hat nit wollen, daß seine Tochter einen Officieren heiratet.“
„Armer Papa“, seufzt Corona auf, „war immer so lustig, und hat müssen eine so böse Ende nehmen. Betrunken“, flüstert sie.
Diese Aufrichtigkeit versetzte uns doch einigermaßen in Staunen. Sie aber ließ sich nicht beirren. „S’is eine Fatalität, die was liegt in unsere Famili. Alle immer betrunken; auch wir werden an dieses sterben.“
Sie meinen „ertrunken“, und ich kann mir lebhaft die verblüfften Gesichter vorstellen, die diese Mitteilung bei Anderen zur Folge hat. Diskret hinweggehend über den heiklen Punkt, der da in unglaublicher Naivität blosgelegt worden.
„Sie war so schwer zu befriedigen“, fährt Pepi fort. „Gefallen hat ihr bald Einer, aber wenn die Red’ gekommen is zum Heiraten, hat’s nix mehr wissen wollen. O, die hat so eine kalte Hers. — Erst vor zwei Jahren hat sie eine Korb ausgeteilt an eine gewisse Herr Mayer, eine sehr hübsche Mensch, das was selber hat gehabt drei Millionen. Er hat immer gesagt: „Sie soll mit die Schlafrock, das sie auf die Leib hat, meine Frau werden, damits nicht glaubt, ich brauch’ ihr Geld.“ Und weil sie ihn nit mögen hat, hat er in alle Wälder herumgejagt, und in die Hitz kaltes Wasser getrunken; nachher is er an die Abzehrung gestorben und hat noch in sein letztes Stund „Corona“ geschrieen.“
„Warum sagst denn nix von Dir? Hättest ja selber gute Partien machen können.“