„Ja, diese fünf Doktoren! Ich hab’ immer so eine Graus gehabt vor diese Leute, die Menschen aufschneiden und nach die Medicin riechen.“ Plötzlich stößt sie einen Freudenruf aus. Sie hat auf der Etagère die kleine nickende Pagode erblickt. „Ma prego, schau Corona. Wir haben ganz dasselbe. Früher“, erklärte sie uns eifrig, „haben wir eine Türk gehabt. Es ist immer Alles gut gegangen, bis er gebrochen is. Da war’s Unglück im Haus. Zuerst sind die Eltern gestorben; die Corona hat solche Kopfweh bekommen, daß sie ihr haben die Würmer setzen müssen; und ihre Courmacher is krank geworden von die Lieb. Da hat uns alle Zwei von so eine Chines geträumt, und wie wir’s in die Auslag sehen, so kaufen wir’s.“

Das Alles mit einem Ernst, als ob es sich um die wichtigsten Dinge handle.

Die Tante frägt sie um ihre Meinung über die Bellincioni, die soeben ein glänzendes Gastspiel in Wien absolviert.

„Ja, sie singt ganz gut“, erwidert die Ältere mit einer gewissen Zurückhaltung, und Pepi beeilt sich, hinzuzufügen: „Die Corona kann so schön die Musik machen. Was die hat gehabt für eine Stimme! Viel stärker wie die Bellincioni. Früher hat sie immer Concerte gegeben, daß die Leute sind verrückt geworden. In die Gondel war kein Platz mehr für die Blumen. Seit ihre Kopfweh freut sie’s nicht mehr.“

„Nein weil seit diese Zeit is mir die Migräne in die Hals gestiegen. Und dann is doch mühsam die Begleitung, weil ich so kurz bin von die Finger.“

Ich habe das Lachen nur so hinuntergewürgt. Es ist so merkwürdig, daß die Leute niemals selbst fühlen, wenn sie komisch sind. Und doch, was wär’ die Erde ohne solche Menschen?

**
*

Am 28. Mai.

Täglich Neues. Wir besuchen Kirchen und Palazzis, Museum und Galerien. Überall derselbe Reichtum. Ein Leuchten der Farben, ein Glänzen von Gold und Edelsteinen und eine heilige Ruhe über diesen Stätten, die der Genius umschwebt; man meint förmlich seinen Flügelschlag zu hören, die holde Lichtgestalt zu sehen, wie sie sich herabbeugt, um die Stirne eines Rafael, eines Michelangelo zu küssen. Die Phantasie zaubert mir den Künstler vor, wie er vor der Leinwand sitzt und liebdurchglühte Bilder malt. Es ist etwas Erhebendes, Überwältigendes um die Schöpferkraft im Menschen, um die freie Kunst.

Anders ist’s wenn sie geübt wird zum Erwerb. — Dann verliert sie das Sonnige, das Gott-Ähnliche, möcht’ ich fast sagen.