„Vielleicht fassen Sie es so auf. Ich meinerseits glaube fest an das Gelingen. Mein Glaube ist meine Überzeugung.“
Er aber gab nicht nach, sondern versetzte in pädagogischem Tone: „Sie mögen es so empfinden, aber logisch ist es nicht. Nein, meine liebe Signorina. Glauben und Überzeugung das sind zwei so grundverschiedene Dinge, die man ohne krassen Widerspruch nicht in einem Atem nennen darf. Ich will Ihnen erklären, warum: Glauben heißt vermuten, und nur „Wissen“ ist Überzeugung. Jene, die mit Positivem rechnen, ereifern sich nie. Am fanatischesten benahmen sich seit jeher die, die „glaubten“,“ fügte er mit souveräner Geringschätzung hinzu.
„Ja, ich weiß sehr gut, daß man uns Utopisten und Schwärmer nennt, die auf Wolken durch das Leben schweben, ohne die Erde zu berühren, jeder reellen Grundlage entbehrend. Aber sind es nicht gerade immer die Träumer gewesen, die Großes geleistet haben? — Sie sind sogar unentbehrlich, denn sie liefern die Idee, den Stoff, den andere praktisch verwerten.“
„Praktisch, hihi. Praktisch sind nur die Kanonen, die verbesserten Waffen überhaupt. Die sprechen noch am ehesten für den Frieden. Das andere ist alles nichts — das bloße Wort — Sie haben noch so wenig Erfahrung, kleine Signorina. Das ist charmant, das kleidet Sie ganz vorzüglich.“
Ich war so geärgert über den Schulmeisterton und die impertinenten Blicke, mit denen er seine Complimente begleitete, daß ich keine Erwiderung fand. Nachträglich fielen mir die treffendsten Antworten ein — das ist ja immer so — und ich hielt ganze Dialoge mit mir selbst, in denen ich das „Für und Gegen“ vertrat.
In einem einzigen Punkte teile ich seine Ansicht. Er hat sich lustig gemacht über ein paar übertriebene Toiletten und die „Mode“ in neun Fällen von zehn, als Löschhorn des guten Geschmackes bezeichnet. Ich finde es nämlich auch einen Unsinn, etwas zu tragen, das man selbst unmöglich schön finden kann, aus dem bloßen Grunde, weil es Mode ist. —
Von den jungen Mädchen hat sich Keine um mich gekümmert. Aus verschiedenen Andeutungen hab’ ich den Grund entnommen. Sie vermeiden absichtlich jede Annäherung an Ausländerinnen, sobald sie meinen, es könnten gefährliche Rivalinnen sein, umsomehr als in den letzten Jahren so mancher junge, reiche Italiener sein Herz an eine Fremde verlor. „Nur ja sich keinen épouseur wegschnappen lassen“ und sie schließen einen um so festeren Ring unter sich.
Also auch hier wie allenthalben das Durchschnittsmädchen: einziges Ziel — — einen Mann bekommen.
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Am 30. Mai.