„Nun ja, der dort unter dem Baume steht, — links.“

„Das also ist der junge Deuchtestum? Ich habe mir ihn eigentlich ganz anders vorgestellt.“

„Warum? Weil ich Dir gesagt habe, daß er ein seltsamer Kauz ist? Du findest wohl“ — das Weitere hab’ ich nicht mehr hören können, da die beiden Damen schon zu weit waren. Ich folgte mit dem Blick der angegebenen Richtung und unterdrückte nur mit Mühe einen Ruf der Überraschung. Da war er ja, mein Unbekannter von Murano, an der Stelle selbst, wo wir den General erwarteten.

Hier merkte man nichts von dem Gewimmel, das in dem vorderen Teil der Giardini herrschte; nur wenige vereinzelte Spaziergänger verloren sich bis an diesen Platz.

Wir setzten uns auf eine Bank, und während die Tante las, betrachtete ich mir den Einsamen genau.

Er stand an eine Cypresse gelehnt, die Arme über der Brust verschränkt, und sein Blick schweifte weltvergessen über das Meer.

Ich sah ihn lange an und doch bin ich nicht klug geworden aus seinem Gesicht. Die Augen sind die eines Träumers, der bemüht ist, Alles im rosigsten Licht zu schauen — und der an Ideale glaubt. Und hingegen lagert ein spöttischer, ja fast verächtlicher Zug um den Mund. Es ist, als hätten diese Lippen Alles gekostet, und nirgends Süßigkeit, überall nur bitteren Nachgeschmack gefunden, als müßten sie sich plötzlich öffnen, um ein „Brrr“ des Abscheues auszustoßen.“

Sonst hatte ich die Leute, die mich beschäftigen, sofort in eine bestimmte Categorie eingereiht — da aber bracht’ ich’s nicht zu Stande. Ich forschte auch vergebens nach einer Ähnlichkeit mit dem General. Die hohe, elegante Figur, das war auch Alles.

„Ah, das ist schön. So pünktlich — ganz wie beim Militär.“ — Der alte Graf war auf uns zugekommen, im weiten, dunklen Radmantel, den grauen, weichen Filzhut auf dem Kopf. — Er trug sich nie anders und es gab wohl auch nichts, was besser zu ihm paßte. Es war originell, durchaus charakteristisch.

„Hab’ meinen Sohn herbestellt“, fügte er hinzu. „Möcht’ ihn mit den Damen bekannt machen, wenn es gestattet ist. — — Ah, mir scheint, dort ist er — — Egon.“