„Nun da werden Sie ja wissen, wie es dort zugeht. Man streitet sich stundenlang um Bagatellen herum — vernünftige Vorschläge, das gehört zu den Seltenheiten. Freilich, zur Zeit der Canditatur versprechen die Herren den Leichtgläubigen Sonne, Mond und Sterne und ködern sie mit Bier und Geld. Sitzen sie aber einmal fest und warm im hohen Haus, haben sie auf Alles vergessen bis auf die Diäten: die stecken sie noch gewissenhaft ein. Es ist eine einfache Spekulation. Der Zufall, die Bestechung entscheidet mehr, als das persönliche Verdienst und daher kommt es so häufig vor, daß total unfähige Menschen die wichtigsten Stellen bekleiden. Darum strebt unser Programm in erster Linie das allgemeine, direkte Wahlrecht an. Dieses erstreckt sich auf alle Reichsangehörigen beiderlei Geschlechts, die das zwanzigste Jahr zurückgelegt haben. Das Volk soll aus seiner Mitte heraus bewährte Männer, zu denen es Vertrauen hat, zu seinen Abgeordneten bestimmen.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Volkswehr an Stelle der stehenden Heere, und die Schlichtung aller Streitigkeiten auf schiedsgerichtlichem Wege. Sie sehen also, daß wir sehr friedliebende Menschen sind. Doch ich ermüde Sie wohl?“ setzte er fragend hinzu; da ich ihn jedoch des Gegenteils versicherte, fuhr er fort:

„Auch wollen wir die Abschaffung jener Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung einschränken und jener die die Frau im öffentlichen oder privaten Leben, dem Manne gegenüber benachteiligen.“

„Also Sie finden es natürlich, daß auch die Frauen, einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Beruf wählen, sich am öffentlichen Leben beteiligen?“

„Das ist doch nur gerecht: nur die Schwächlinge fürchten die Concurrenz: aber die werden ja bald zum Schweigen gebracht werden.“

„Ist das das ganze Programm?“

„O nein. Wir sind keine so bescheidenen Leute: wir streben noch so Manches an, z. B. die vollkommene Trennung von Kirche und Staat: Weltlichkeit der Schule, Unentgeltlichkeit des Unterrichtes und der Lehrmittel und Ausbildung der Talente, da wo sich welche zeigen.“

„Das wäre für Viele eine Wohltat. Ich habe mir so oft vorgestellt wie traurig es für einen Menschen, der an seine Begabung glaubt, sein muß, wenn ihm die Hände gebunden sind, wenn er nicht vorwärts kann, weil ihm die Mittel fehlen, um sein Ziel zu erreichen.“

„Sie sollen noch mehr beanspruchen können. Die unentgeltliche Rechtspflege, die Entschädigung unschuldig Verurteilter, die Abschaffung der Todesstrafe. — Ärztliche Hilfe und Heilmittel, das sollen sie ebenfalls umsonst haben.“

„Und dieses Programm, das so gut, so logisch zusammengestellt ist, soll nicht die Wünsche Aller befriedigen?“