Wenn sie wüßten, wie nutzlos ihre Bemühungen sind. — Die Schablonensoiréen sind ihm ein Gräuel, er hat es mir offen gestanden.

„Früher, als ich noch in den Salons verkehrte, hab’ ich keine Befriedigung gefunden. Was wollen denn die Menschen? Diese Frage drängte sich mir stets von Neuem auf. — — Die Zeit totschlagen — sie mit Banalitäten, mit hohlen Phrasen ausfüllen? Stundenlang nebeneinander sitzen, ohne sich etwas zu sagen zu haben. Oder ist’s nicht so? Es kommt mir ungefähr vor, als stellte ich mich vor den Spiegel, um die Cravatte gerade zu schieben, während das Haus in Flammen steht. Ich bringe das nicht fertig. Und Sie — Sie können sich auch unmöglich unterhalten. — Weil Sie so grundverschieden sind — von den Andern.“

„Gute Nacht.“

Das klang so aufgeregt und hastig — — und er drückte mir die Hand so heftig, daß mir’s wehe tat.

Es ist spät. Ich will mich niederlegen. Schlaf aber verspür’ ich keinen.

Die Sterne blinken goldig. Es war ein lila Stern, dann glühendrot. — Es regt sich nichts — — weil Alles ruht. — — Ruht wirklich Alles? — Gute Nacht, Egon Deuchtestum — — gute Nacht.

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9. Juni.

Der Ostwind. Wie er sägt an meinen Nerven! Heut’ bin ich elend. Von Minute zu Minute ändern sich meine Stimmungen. Mein ganzes Wesen ist in Aufruhr. Siedend heiß jagt mir das Blut zu Kopfe. Alles Denken und Fühlen ist zu höchster Intensivität gesteigert. Ein Chaos, eine glühendrote Finsternis, ein Hämmern, ein Pochen zum Verrücktwerden. Der Atem geht mir aus, ich meine zu ersticken — dann wieder schüttelt’s mich vor Kälte, als ob ich Fieber hätte. — — Eine Unruhe, ein Bedürfnis zu gehen, mich zu bewegen! Wie wenn der Tod schon seine eisige Hand auf’s Herz legt und die Füße noch tanzen möchten — nur ein einziges Mal noch — bis — sie — erstarren.

Gleich darauf wird es still, unheimlich still in mir. Mir ist’s, als sei ich mir eine Fremde und nur zu Gast auf dieser Erde. Mir graut — denn was ich ahne, ist mein anderes Ich — mein Doppelgänger.