Mir wird unheimlich. Es drängt mich hinaus aus diesem düstern Kerker, hinaus in die freie Natur. Dort wird mir leichter und ich frage mich, ob sie, die nichts empfinden, nicht vielleicht besser daran sind, als wir, die wir uns jeden Genuß verbittern und die, wenn wirkliches Leid über uns hereinbricht, so furchtbar schwer daran tragen. Das Gute, das uns widerfährt, betrachten wir als einen, uns von der Natur geschuldeten Tribut, das Böse als ungerechtfertigte Insulte. — Wir lehnen uns auf, wir ringen uns die Hände wund, wir verzweifeln an unserer Ohnmacht, wir leiden — leiden.
Die Sonne brennt mit versengender Glut und scheint mit den kühlen goldigblauen Wellen zu kämpfen. Weiße Möven schießen pfeilschnell über den Spiegel dahin — von Weitem könnt’ man sie für Wasserrosen halten.
Scharenweise haben sich die müden Arbeiter am Ufer dahingestreckt, um ihre Polenta zu verzehren, oder Siesta zu halten. Bloßfüßige Männer waten bis über den Knöcheln im weichen Sand, um nachzusehen, was ihnen die Flut bescheert. Und jedesmal, wenn sie statt einer Muschel eine Krabbe erwischen, werfen sie mit verächtlicher Miene das Ding in das Meer zurück, wo es lustig weiterzappelt.
Ein freundliches, sonniges Bild. Ich aber kann das frühere nicht vergessen: das Dunkle verblaßt langsamer als das Helle.
Auf dem Lido bin ich ausgestiegen. Ich suchte ein einsames Plätzchen auf und starrte vor mich hin.
„Signorina — Sie hier?“ — und der kleine Spanier stand vor mir.
Etwas ärgerlich versetzte ich: „Ja, wie Sie sehen.“
„Nicht wahr, das Meer ist schön.“
„Gewiß.“
„Und groß — und tief.“