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10. Juni.
Auf meinem Tische steht ein Rosenstrauß in einer Opalschale. Kleine Sonnenfunken huschen über den irisierenden Stein, über die duftenden Blumen. Purpurn die einen, blaß und zart die andern. Sie sind von ihm. Und auch das Buch daneben. „Das Evangelium Buddhas“, die schönste, die poetischste der Religionen, die Religion der Güte. Ich schlage es auf und lese auf’s Geradewohl diese Stelle:
„Erbarme Dich Derer, die mühselig und beladen sind. Habe Mitleid mit den Leidenden. Hilf den Geschöpfen, welche hoffnungslos darniederliegen in den Fallstricken der Trübsal. Der Wohltäter hat den Pfad der Erlösung gefunden. Er gleicht einem Manne, der ein Bäumchen gepflanzt hat und sich dadurch Schatten, Blüten und Früchte sichert“.
Gerade diese Stelle hat er mir früher einmal genannt. Ich glaube, es ist sein Motto.
Ich habe das Buch geschlossen, mich zurückgelehnt im Schaukelstuhl und den Duft einer Rose eingesogen. — — — Dann bin ich traurig geworden. — Morgen wird die Glut verbleichen — und nichts bleibt übrig als ein welkes Blätterhäufchen. Es war. — Wenn man so nimmt, man müßte weinen über die Schönheit eines Blumenlebens, das man in Händen hält. — —
Ich kenne mich selbst nicht mehr. Ist das dieselbe vernünftige Mimi, deren Herz erstarrte, weil es zur Maienzeit ein Frost getroffen? — Oder ist’s die Andere, die Fremde?
Früher waren’s Nelken, jetzt sind es Rosen.
Es ist noch nicht so lange her.
O über unsere Unbeständigkeit!