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Am 15. Juni.

Die Nachbarinnen haben uns zum Thee geladen. — Eine Schaar verblühter Mädchen sitzt um den Tisch, auf den eine gehäkelte Decke gebreitet ist. So zwischen dreißig und fünfzig Jahren — Herbstzeitlosen; die meisten sind recht häßlich. — — Sie schauen in das Leere, mit dem Blick des Leides und der getäuschten Erwartung.

Sie trinken aus großen, altmodischen Schalen Thee. Wenn sie sich bewegen, entströmt ihren Kleidern ein leiser Duft von Lavendel und getrockneten Rosen.

Sie flüstern, leise, furchtsam.

Ein hageres Fräulein sitzt am Spinett und spielt eine wehmütige Melodie. — In Moll. Gedämpft. — Die Tasten schäppern.

Laut wie gewöhnlich, schreiend fast, sprechen nur die Hausfrauen. Sie haben möglichst grelle Kleider angelegt zum Empfang — und Corona trägt eine Art Sandalen; die Lederriemen sind aber nicht festgemacht, sondern sie schleifen nach, und die metallenen Schnallen erzeugen einen Lärm wie Sporengerassel, wenn sie geht.

Keine hat einen Beruf. Es sind verfehlte Existenzen.

Entsetzlich.

Dann fuhren wir in’s Concert.