Das war schön.

Zuerst sang ein Österreicher — ein gewisser Link — von dem wir bis dahin nie etwas gehört haben. Nun ja, Niemand ist Prophet in seinem Vaterland. Der Mann verdient es, daß man ihm einige Aufmerksamkeit schenkt.

Sein Lied „Der Abendfriede“, mutet an wie ein Stimmungsbild vor Sonnenuntergang. Wie es mich ergriffen hat in seiner Zartheit und Farbenpracht! Man atmet förmlich den Duft dieser stillen Landschaft ein, den tiefen Frieden der Natur. Ein Schlummerlied, so leise und so weich.

Und die närrischen Leute applaudierten; ich hätt’ es nicht vermocht. Das höchste Glück, der größte Schmerz, — leidenschaftliche Liebe, tötlicher Haß, kurz alle auf’s Höchste getriebenen Sensationen erfordern Schweigen. — Das ist eventuell noch eine Steigerung.

Man soll den Zauber auf sich wirken lassen, still, hingebungsvoll, entzückt.

Und dann das Brahm’sche: „Wie bist Du meine Königin.“ — Wonnevoll, wonne — wonnevoll. Wie ich dieses Lied liebe!

Um mich her Sprechen und Surren wie in einem Bienenschwarm. — —

In meinem Innern gieng etwas Seltsames vor. Diese Musik hatte ungeahnte Tiefen in meiner Seele aufgewühlt, Schätze zu Tage gefördert, die im Grunde schlummerten. Die starren Bande, die Fesseln meiner Phantasie sind gelöst; ein Wunderland, ein prächtiges Bild nach dem andern entrollt sich vor meinem schönheitsdürstenden Auge. Eine Art Trunkenheit überkommt und entrückt mich in weltferne Regionen.

Das haben die Töne bewirkt, diese Fülle von Wohllaut, die meine Sinne umschmeichelten, — die einzelnen schrillen, wilden Klänge dazwischen, die sich wie scharfe Krallen in mein Herz verfiengen, es umklammerten — und zerfleischten.

Tomagno sang noch italienisch das „Vieni a l’amore.“ Das ist ein Künstler von Gottes Gnaden.