Einmal wollte ich Venedig sehen — bei Nacht. Wir fuhren den Canal grande entlang. Es war, als hätte eine schöne Frau ihr herrlichstes Geschmeide angetan, ihr bestrickendstes Lächeln angenommen, um die Schar ihrer Verehrer zu blenden.
Geisterhaft bleich ragen die Palazzis zum Himmel und die Sterne durchfurchen ihn wie feurige Garben. Die bunten Papierlampions schaukeln hin und her im Abendwind.
Musik. Wir folgten in der Richtung, aus der die Töne drangen. — Anfänglich waren sie leise wie ein Flüstern, das Kosen des Zephirs in blütenbeschneiten Bäumen, plötzlich anschwellend, rauschend, brausend wie der Föhn, wenn sein glühender Hauch die Lawinen von den Bergen wälzt und talwärts schleudert.
Es war versengendes Feuer, das diesen Kehlen entströmte: eine unbeschreiblich ergreifende Melodie, die weithin zitterte über die stille Flut.
Da waren mit einemmale die trüben Bilder vergessen: ein warmes Glücksgefühl kam über mich. Ich faltete stumm die Hände und: „Liebe — Liebe“ — durchbebte es mich.
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Am 17. Juni.
Laß mich vor Dir knien, laß’ mich die Arme um Dich schlingen und den Kopf an Deine Brust legen.
Denn ich gehöre Dir. Ich bin Dein Eigen mit Leib und Seele: mein ganzes Wesen drängt sich Dir zu, Du Unvergleichlicher.
Du hast mein Herz versengt. Deine Ketten sind weich und Dein Dienst ist wonnevoll.