Wie lang es dauerte! Man wartet ja oft Jahre ohne zu murren — in den letzten Minuten aber wird man ungeduldig. Es hält mich nicht auf meinem Platze; ich stecke den Kopf zum Fenster hinaus und erkenne die Umrisse der kleinen historischen Stadt Hainberg. Ja, das ist die Burg, der Kirchturm, das Stationsgebäude — und der lichte Phaeton steht auch schon da.
Eins, zwei, drei geht’s über die kleine Treppe.
Wenzels breites Affengesicht legt sich in freundliche Falten. „Je, wie die Baroneß Mimi groß geworden ist; und gut ausschauen tut’s auch. Was wird denn da der Herr Großpapa sagen?“
„Wie geht es denn Allen? Gesund?“
„Ja. Aber die Baroneß Nina geht schon eine Woche nicht aus ’n Zimmer, weil’s eine Eichelkatzel krank ist.“
„Schade. Und Hannerl?“
„No die treibt’s! Gestern hat’s ’n ganzen Tag von nix andern geredt, als daß d’Baroneß Mimi kommt.“ Unterwegs muß die alte treue Haut noch über so Manches Auskunft geben.
Die Bauern auf dem Felde blicken auf, als sie das Gefährt heranrollen hören und grüßen höflich. Das Mähen ist so hübsch mit anzusehen; ich wollte es nächstens auch versuchen.
Vier Pferde ziehen an einem schweren Leiterwagen: die Nüstern blähen sich und das Fell schimmert feucht vor Anstrengung. Wir haben eine Hitze von 24 Grad. Unten im Steinbruch arbeiten sie fleißig darauf los. Eine Anzahl fertiger Platten ist zum Verladen aufgeschichtet und dort legen die Leute noch die letzte Hand an die Glättung eines breiten Sockels.
Auch das gefällt mir. Aus einem eleganten Wagen, von oben herab betrachtet, nimmt sich das Alles so hübsch und so leicht aus. Vorstellung und Wirklichkeit decken sich aber gar selten und die unten dachten wohl ganz anders.