„Gute Nacht, Mimi.“
„Wenn’s nur schon morgen wäre!“
„Das möcht’ ich auch.“
Förmlich berauscht von den empfangenen Eindrücken und wohl zum Teil auch von der köstlich-herben Luft schlafe ich ein, die Hände unter dem Kopf gefaltet, ein „Mein lieber, lieber Gott, ich danke Dir,“ auf den Lippen.
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Fräulein Auguste, die Bonne, war eine lebensfrohe junge Person, die es vorzüglich verstand, unsere Spiele in Gang zu bringen.
Bald tummelten wir uns auf den Wiesen herum, verrichteten Gartenarbeit, oder wir zogen in den Wald hinaus, um zu botanisieren. Dabei sangen wir allerlei Lieder, Hannerl zum Erschlagen falsch, aber sie meinte es gut und war gar zu herzig. Das gestreifte Waschkleid umhüllte lose den dünnen Engerlingskörper, auf dem der große, runde Kopf wie ein echter, rechter Bauernknödel saß.
Wenn wir Kaffee getrunken — Fräulein Auguste konnte nur über die unglaubliche Menge staunen, die in der bodenlosen Tiefe unserer Magen verschwand — arbeiteten wir für unsere Puppen. Wir statteten sie vom Kleinsten bis zum Größten aus — ja sie besaßen sogar Alle Geradehalter und Sonnenschirme.
Ich war stets die Tonangebende, während sich Hannerl mehr passiv verhielt. — Bisweilen freilich trug sie einen gewissen Widerstand zur Schau, eine verächtlich-ungläubige Miene, so zum Beispiel, wenn ich ihr französische Stunden geben wollte. Es ging ihr nun einmal absolut nicht ein, weshalb sie mehr lernen sollte, als die übrigen Kinder. Pauline konnte auch nicht französisch und war doch Stubenmädchen geworden. Darin aber gipfelte Hannerl’s Sehnen und Trachten. Im Grunde genommen begriff ich es ganz gut: ja es gab Momente, wo ich um mein Leben gern mit ihr getauscht hätte.
Was gab es aber auch auf der weiten Welt Behaglicheres, als Jungfer Paulinens Zimmer. Weißgetünchte Wände mit vielen Bildern behangen, blütenweiße Vorhänge, blitzblanke Fensterscheiben, von roten Bohnen umrankt, die bis auf den Fußboden herabkrochen; ein Messingbauer mit einer Kanarien-Menage und das Prunkstück, ein Glasschrank, in dem sich Alles dreimal spiegelte.