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„Der Erzherzog kommt mit seiner Braut.“ Also endlich ein Ereignis. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Neuigkeit im Pensionat.

Man hatte in aller Eile eine kleine Vorstellung eingeübt, und die Rollen den hübschesten Aristokratinnen — es war gegen alle Regel — zugedacht.

Wir Anderen bildeten Spalier und gaben nur den dunklen Hintergrund ab, von dem die farbenreichen Kostüme sich vorteilhaft abhoben. Die würdige Mutter war selbst erschienen, um uns die nötigen Verhaltungsmaßregeln zu erteilen: „Surtout baissez les yeux. Il faut toujours avoir quelque chose de modeste dans la tenue. Cela fait une si bonne impression et c’est à cela aussi qu’on reconnait les enfants du Sacré — Cœur dans le monde.“

Ich wagte nur verstohlen nach den Hoheiten zu blinzeln. Die Prinzessin nahm lächelnd die Blumen entgegen, die ihr von einer Hofdame abgenommen wurden. Sie war eine liebreizende Erscheinung und die Blicke des Bräutigams ruhten mit Zärtlichkeit und Stolz auf ihr.

„Erzherzogin, Prinzessin sein, von Allen gefeiert, bewundert, welch’ beneidenswertes Los.“

Phantasien eines Kinderkopfes! So mancher Kaiser stöhnt unter seinem Hermelin und risse gern die Krone von der Stirn, die ihn gleich Dornen schmerzt. Und wie manches Arbeiterherz schlägt freudig unter dem zerfetzten Kittel. Er bettet sein Haupt auf Gottes freie Erde: er lacht, er weint, wenn ihm darnach zu Mute ist. Was schert den die Zwangsjacke der Konvention, in der die Großen dieser Welt geboren werden.

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Zweiter Abschnitt.

„Sie wird jetzt vierzehn Jahre alt und ist im Lernen weit hinter ihren Gefährtinnen zurück. Es ist Indolenz oder böser Wille. Was halten Sie davon, Doktor?“