„Das ist nicht wahr.“

„Mein Kind, geh’ in den Winkel.“

Diese Ungerechtigkeit erweckte meinen Zorn. „Ich will nicht“ und dabei stampfte ich mit dem Fuße auf. Mère Walter machte kurzen Proceß; sie packte mich mit festem Griff am Arme und schleifte mich in die Ecke. „So.“

Nun löste sich mein Widerstand in Tränen auf und ich empfand die Ohnmacht des Schwachen dem Starken gegenüber. Und zugleich mit dem Bewußtsein meiner Hilflosigkeit loderte es in meinem Innern auf, gleich einer zündenden Flamme, etwas Wildes, Dämonartiges — der Haß.

Das war mein erster Tag im Kloster, nur ein dünnes Glied der langen, langen Kette.

Ich sprach das Abendgebet nicht mit, denn ich kam mir vergessen, von Gott verlassen vor und lügen konnte ich damals noch nicht.

„Papa“ — weshalb hatte er mir das, gerade das angethan? Tiefe Sehnsucht nach dem alten lieben Heim trat an die Stelle der Auflehnung; es wurde ruhig in meiner Seele und ich weinte mich still in den Schlaf.

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Wir standen im Halbkreis, mit den dunkelblauen Sonntagskleidern angetan, endlos lange Bandschleifen um den Hals, und warteten auf die Notenverteilung. Allwöchentlich wurden nämlich kleine Karten mit „sehr gut“, „gut“ und „ziemlich gut“ ausgegeben, je nach dem Verdienste der Schülerinnen.

Ich war lächerlich klein für meine acht Jahre und befand mich als Allererste vor dem Platze, den bei dieser Gelegenheit die Oberin einzunehmen pflegte.