Leise, flüsternd fast, erklang zum erstenmal die Bitte, dann wurde sie immer lauter, eindringlicher, unwiderstehlich. Kalte Schauer überliefen mich, und meine Füße wankten, als ich an der marmornen Communionbank niederkniete.

„O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach.

Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

Und während die Hostie meine Zunge berührte, schloß ich die Augen und sprach mit meinem Gotte. „Mein süßer Jesus, ich liebe Dich, Dich ganz allein. Verlaß’ mich nicht, steh’ mir bei und stärke mich in der Versuchung.“

Dann geht es in feierlicher Procession durch den Garten. Die wallenden Bandschleifen des goldgestickten Himmels in der Hand, so nahe der Monstranz, senkt sich eine weihevolle Ruhe in mein Inneres, als wäre ich nach langer, gefahrvoller Fahrt im sichern Hafen gelandet.

Von Nah und Fern ertönen die Osterglocken; verheißungsvoll und freudig, ernst und kindlich singen diese metalligen Stimmen durcheinander und dazwischen erschallt begeistert, frohlockend das Auferstehungslied. Es liegt nichts von der düsteren Schwermut der meisten Kirchengesänge in dieser Melodie. Jauchzend, beinah übermütig flattern die Töne zum blauen Äther empor, wie lebensfrohe, verliebte Schmetterlinge. Kein Wölkchen da oben — so lieblich blau das weite Himmelszelt und auf der Erde keimt und sproßt es im jungen Gras. Veilchen, Primeln, Butterblumen, so einfach und doch so berückend schön.

„Herr, Gott, der Du die Welt erschaffen, aus dessen Hand die abertausend Meisterwerke hervorgegangen, die Deine Geschöpfe erfreuen, der Du uns den Frühling sendest, die Lande zu schmücken, ich beuge das Haupt vor Deiner Macht. Laß’ mich Deine Schöpfung lieben, aber bewahre mich vor zu großem Wohlgefallen am Irdischen, damit es keine Schranke bilde zwischen Dir und mir. Gib’ mir kund Deine Ratschläge und erleuchte mich, auf daß ich Deinen Willen tue.“

Hierauf nahmen wir am festlich geschmückten Tisch das Frühstück ein. Goldgelbes Backwerk und duftende Chokolade standen bereit; um jeden Teller ein Kranz aus wilden Kirschenblüten. Das schmeckte herrlich. Die übersinnlichen Eindrücke traten in den Hintergrund, aber mit ihnen verflog auch die ruhige Stimmung, — um neuerdings einem peinigenden Grübeln Raum zu geben.

Weshalb wurde ich denn die sündhaften Vorstellungen nicht los? — Es war eine wahre Marter. Das nackte Christkindlein auf Sankt Antonius Arm brachte mich auf die Idee, daß wir Alle so auf die Welt kommen. Was hatte es nur für eine Bewandtnis mit den kleinen Kindern? — Es mußte etwas Unrechtes, Häßliches dabei im Spiel sein, weil man es geheim hielt, nie darüber sprach. Aber dann wäre ja auch die Mutter Gottes — ach, ich hielt es nicht aus!

Des Abends, als ich den weißen Kranz ablegte, schien er mir beim trüben Schein der Kerze gelblich und zerzaust, und ich breitete ein Tuch darüber, um ihn nicht zu sehen.