**
*

Ein erdrückend schwüler Nachmittag. Ich flüchtete in das nahe von Steindorf gelegene Wäldchen, in dessen Mitte, von Tannen umwölbt, eine kleine Kapelle steht. Kein Sonnenstrahl drang in dies Heiligtum: es war so kühl und still. Leise knisternd rieben sich die dunklen Zweige an dem Gitterwerk der Fenster, sonst kein Ton, kein Laut, als sei die Welt in weiter, weiter Ferne.

Ich war allein mit meinem Gotte und klagte ihm meine Not. „Hilf, rette, rette ihn.“ Ein Schrei, waren mir diese letzten Worte entfahren und ich hatte gar nicht bemerkt, daß in demselben Augenblicke Jemand die Kapelle betreten.

„Mimi.“ Beim Klang dieser Stimme fuhr ich zusammen. Die Hände auf das stürmisch pochende Herz gepreßt, frug ich kaum hörbar: „Weshalb sind Sie gekommen? Was wollen — Sie — hier?“

„Der Zufall führte mich her, vielleicht auch ein wenig Absicht. Sie schienen mir in letzter Zeit verändert, als ob Sie einen Kummer hätten. — — Und da suchen Sie Trost bei den steinernen Heiligen? Die sollen retten, helfen?“

Ich rang vergeblich nach Worten: die unausgesetzte Spannung meiner Nerven machte sich in lautem Schluchzen Luft. „Seien Sie nicht grausam, quälen Sie mich nicht“, stammelte ich flehend, „ich habe ja — für Sie gebetet“.

„Für mich?“ Einen Moment blieb es still. Dann beugte er sich über mich und frug mit eigentümlich bewegter Stimme, während er meine Hand ergriff: „Sie wollten mich dem Teufel rauben. Ist’s nicht so? Ich gehöre also in die Hölle?“

„Wenn Sie nicht glauben.“

„Und Sie denken immerfort an diese düsteren Dinge, statt sich des schönen Lebens zu freuen?“

„Aber wir können ja jede Minute sterben.“