Es geschah nicht selten, daß, wenn ich irgend eine komische Situation aus dem Klosterleben in ganz harmloser Weise schildern wollte, Papa mir das Wort mit dem Bemerken abschnitt: „Ich dulde nicht, daß Du Dich über die würdigen Schwestern lustig machst.“

Und so hütete ich ängstlich meine Zunge, legte jedes Wort auf die Wagschale, wurde scheu und verschlossen.

Wenn man aber eine junge lichtdürstende Winde in den Schatten stellt, läßt sie das Köpfchen hängen und verkümmert.

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Wie das weh tut, wenn man noch halbverschlafen aus den Federn muß! Jeden Morgen setzte es förmliche Kämpfe ab zwischen Clara, der Zofe, und mir.

„Nur noch eine Viertelstunde, nur noch zehn Minuten, bitte, liebe gute Clara; ich bin so schrecklich müde.“ Ich hätte ihr in meinem Schlafbedürfnis ein Königreich angeboten für diesen kurzen Genuß. Und je nach ihrer Laune und vermutlich nach dem Inhalte des Briefes, den sie tags zuvor von ihrem „Gefreiten“ erhalten, ließ sie sich erweichen oder bestand auf ihrer Forderung.

Dieses unbeschreiblich wohlige Gefühl des bewußten Schlummerns, des traumlosen Träumens, wer hätte es nicht ungezähltemale selbst empfunden!

Doch wie kurz währte die Gnadenfrist! Clara entzündete die Kerze und zog die Jalousien auf. Und jedesmal, namentlich im Winter, verspürte ich tiefes Unbehagen, eine Art von Katzenjammer, wenn ich durch halbgeöffnete Lider in den farblosen Morgen blinzelte. Doch Clara schien wenig Sinn für meine Stimmungen zu haben. Sie zog mir mit energischem Ruck die Decke herab und installierte sich mit dem Elektrisier-Apparat an meinem Bette.

Auch ein Erfolg des Klosters. Die storchbeinigen Stühle und die niederen Pulte bewirkten die ersten Symptome einer Rückgrat-Verkrümmung. Ich zuckte wie ein Frosch; dieses Prickeln und Stechen wie von scharfen Nadelspitzen war mir gräßlich. Dann kam das Eisenmieder an die Reihe. Auf diese Weise eingepanzert, fühlte ich mich beengt und unbeholfen, unfähig, mich zu bücken. Mère Walter machte mir einmal eine arge Scene, da ich ihr den herabgefallenen Zwirnknäuel nicht aufgehoben. Ich duldete lieber die Strafe, als einfach zu erklären, das Mieder sei schuld daran, denn ich schämte mich halb zu Tod und zitterte vor der Entdeckung. Da würden sie dann ihre Witze über mich machen, mich verhöhnen, Christine an der Spitze, — nur das nicht. Ich litt ja ohnedies gering an den Regungen unbefriedigter Eitelkeit, da meine Eltern von krankhafter Sparsamkeit waren und oft die allernötigsten Auslagen scheuten.

„Mama, ich möchte so gerne ein paar Knopfstiefletten haben“ und ich zeigte ihr die durchlöcherten Sohlen.