„Kaiserliche Hoheit“, versetzte er schneidig „es ist aber auch eine Passion, mit unseren Aristokratinnen zu walzen“, worauf die Hoheit scherzend mit dem Finger drohte: „Ja, solch’ junges Blut!“

Roberts pausenloses Geschnatter ermüdete mich stets. Das gieng in einer Leier fort wie eine Mühle, ohne Beistriche, ohne Punkte, immer im nämlichen Tonfall. Und wie kindisch er war! Glaubte er denn wirklich, daß Donna Trinidad die weite Reise über’s Meer gemacht, um gerade ihn zu erorbern? Es gab ja so viele Lieutenants in der Armee: da half weder das verschwenderisch pomadisierte Flachshaar, noch die funkelnden Lackstiefletten und das Goldbracelet. Damit wollte er nämlich ihre Eifersucht wecken.

Merkwürdig blieb nur die Tatsache, daß sich kein wirklich reicher Bewerber fand und sie die Anderen in Bausch und Bogen mit souveräner Geringschätzung behandelte.

Donna Trinidad war wie so manche exotische Größe, über die man keine bestimmten Anhaltspunkte besitzt, aufgetaucht wie ein Meteor, um alsbald zu verbleichen. Sie glänzte mit erborgtem Lichte und hatte Uneingeweihte zu blenden vermocht, darunter Robert. Eines schönen Tages war sie verschwunden auf Nimmerwiedersehen; der Hôtelier war um ein paar tausend Gulden ärmer und um eine Erfahrung reicher.

Der Vetter wetterte und tobte über die Blamage und bedachte sich einsichtsvoll mit dem Attribute „Wurze“, und die anderen Courmacher wußten auf einmal die ärgsten Schaudergeschichten über die „Talmi-Marquise“ zu erzählen.

„Ja, ein Pechvogel muß man sein“, resumierte der enttäuschte Robert sein Abenteuer, „unter einem Unglücksstern geboren, wie ich. Ich kann schon einmal unternehmen, was ich will, es wird mir immer mißlingen.“

Mama, die ihre Taktik ihm gegenüber geändert, suchte ihm Mut zuzusprechen. Sie hatte ihm großmütig verziehen, daß er ein „Steindorf“ war, denn sie bedurfte seiner, um Reclame im Regiment zu machen.

Es ist etwas Eigentümliches um den Ruf, den Einem die Leute machen. Zuerst sagt Einer so ganz obenhin etwas Lobendes, die Andern sprechen es ihm nach; Keiner zweifelt mehr daran, oder wenn er es tut, so schweigt er. Das Urteil wächst, verbreitet sich nach allen Richtungen, und eines schönen Tages ist es zur öffentlichen Meinung geworden: auf dieselbe Art wie das Klatschspiel, das Volkslied. Alle singen sie die nämliche Weise, die Menschen, und die Spatzen auf dem Dache.

Damit rechnete Mama. Wenn dem Oberst nur Gutes, Schönes über sie zu Ohren kam, mußte ihn das erweichen, zur Entscheidung bringen. Und Robert war leicht zu gewinnen: ein paar gute Diners, ein paar Schmeicheleien, und gar wenn man ihn mit einigen Gräfinnen bekannt machte, hatte man ihn auf seiner Seite.

Von ausländischen Marquisen wollte er nichts mehr wissen: es war doch weniger riskiert, sich an den einheimischen Adel zu halten.