„Ja, Vincenz.“
„Les rayons du soleil vous baisent trop souvent,
Vos cheveux souffrent trop les caresses du vent“ —
„Ja, ich war eifersüchtig damals, ich wollte nichts hergeben von dem — — das — — und jetzt muß ich es doch lassen.“
„Vincenz sprich nicht so. Du wirst ja bald ganz gesund sein.“ Er las den Zweifel in meiner Seele. „Nein, geben wir uns keiner Täuschung hin — seien wir wahr, wahr bis zum Schluß.“
Da legte es sich mir wie ein eiserner Reif um die Brust, immer enger, immer fester, bald eisig kalt, bald glühend heiß. Ihn so reden zu hören! Und er fuhr fort:
„Wir haben uns geliebt wie Wenige, und wenn ich jetzt fort muß, so nehme ich nur schöne Erinnerungen mit. Vielleicht ist’s besser so. Ein warmer Sommertag — ein voller Akkord, ohne falsche Note ohne Dissonanz. Sieh’, wie die Sonne untergeht!“ Es war ein großartiges Schauspiel, und in dieser Minute wirkte es überwältigend auf mich.
Im fernen Westen taucht die Tagesherrin ihr glühendes Antlitz in die kühle Flut, und der Horizont färbt sich im weiten Umkreis purpurn. Goldige Strahlen breiten sich netzartig über die Wasserfläche, bald ruhig gleitend, bald dahin tanzend wie tausend und abertausend Kobolde. Die den See umrahmenden Felsblöcke scheinen mit einemmal belebt; rötliche und lila Reflexe huschen dahin: es ist, als ob sich ein Regen von Veilchen und Flieder über die starre graue Masse ergösse: jeder Stein, jedes Sandkörnchen scheint in diesen warmen Farbentönen gebadet, und die fernen, schneeigen Gipfel haben den zarten Schimmer des Amethyst.
Kein Mißton, kein schrilles Geräusch. — Eine Weihe liegt auf all’ dem — — — wie eine Ahnung der Unendlichkeit.
Unsere Blicke tauchten ineinander und Vincenz legte mir seine Hand aufs Haar. „Es ist nichts Schreckliches ums Sterben — es ist nur — so traurig — besonders für die Zurückbleibenden. — — Ich habe den großen Trost, daß ich meine Pflicht erfüllte, indem ich Dich der Wahrheit gewann. Kopf hoch, mein Mädchen; immer mutig vorwärts, unentwegt nach dem Rechten gestrebt.