Du bist noch sehr jung, und die Versuchung kann unter mancherlei Gestalt an Dich herantreten. Sei nicht zu vertrauensselig — nicht Alle wissen solches Entgegenkommen zu schätzen. Wenn Du eines Rates bedarfst, so wende Dich an Tante Laura. Da bist Du in guten Händen.“

So ermahnte er mich, die Verzweifelte, die schluchzend vor ihm kniete.

„Mach’ mir’s nicht zu schwer“, und dabei schimmerte es feucht in seinen Augen. „Mimi — und nun — laß uns Abschied nehmen. Du warst mein Sonnenstrahl — mein Alles.“ Ich wollte ihn umfangen — doch ein Krampf durchfuhr ihn und verzerrte seine Züge. Er rang mühsam nach Atem — dann sahen mich die braunen Augen nochmals an — zum letztenmale, voll unendlicher Liebe. „Hab’ Dank“ hauchte er matt. Er saß ruhig da — und doch fühlte ich, daß er mir genommen war.

———————————

Silberner Mondenschein. Flüstern der Wellen, berückender Rosenduft. Im nahen Busch klagt die Nachtigall.

„Wie ein welkes Blatt vom Baume fällt,

Geht ein Leben aus der Welt.

Die Vögel singen weiter.“

Ich eilte in den Garten, pflückte ganze Garben roter Nelken und als meine Hände die Menge nicht mehr zu fassen vermochten, tat ich sie in mein Kleid: ich pflückte sie alle, die ich fand, und streute sie ihm zu Füßen, daß es sich vor ihm auftürmte, wie ein glühendroter Berg.

Dann stand ich am Seeufer. Der war so blau und tief. Wer das Vergessen suchte! — — Mir war, als riefen mich geheime Stimmen. — „Ja, Ihr sollt nicht vergeblich rufen — ich komme.“ Schon hob ich die Arme, schon stand ich im Begriff, den tötlichen Sprung zu tun — da hielt mich eine Stimme, eine menschliche Stimme zurück. „Denk’ an ihn — keine Feigheit — sei ein ganzer, starker Mensch.“