Tante Laura hüllte mich in ihren Shawl und ich ließ mich willenlos ins Haus führen.

„Sag’ mir Tante, klingt es nicht wie Hohn — oder ist es eine Fabel? „Sommer, Jugend — Glück!““

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Dritter Abschnitt.

Mein erster wilder Schmerz war einer stillen Wehmut gewichen. Kein Grauen, keine Furcht, wie damals bei Papa’s Tode mengte sich in das Andenken des geliebten Verlorenen. Ich hatte seine Möbel in mein Zimmer bringen lassen und vertiefte mich oft stundenlang in den Anblick der Dinge, die ihn einstmals umgaben.

Ich konnte mich noch immer nicht entschließen, meine früheren Beschäftigungen aufzunehmen: es kam mir Alles so reizlos, so überflüssig vor. Wozu denn auch? Für wen?

Da, eines Tages erwachte ich aus meiner Apathie. Die Tante sang — zum erstenmale wieder seit langer Zeit. Sie besaß keine besonders starke, aber eine gutgeschulte, ungemein sympatische Stimme. Voll und ernst schwebten die Töne durch den einsamen Raum — es war das vielgeschmähte und doch so schöne „Behüt’ Dich Gott.“ Ich fühlte, daß sie ihre Seele hineinlegte in das Lied, denn es klang daraus wie klagender Verzicht, ergebungsvolle Trauer. Und meine Gleichgültigkeit schwand, um einem, noch undeutlichem Verlangen Platz zu machen, zu arbeiten, zu leisten.

Als sie geendet, saß sie eine Weile gedankenversunken vor dem Instrument. Es lag eine Weihe in diesem Schweigen. Dann sagte sie wie für sich: „Die Musik, wie Vieles dank’ ich ihr! Sie weckt das Schöne, Edle in uns, sie tröstet, verleiht uns Tatkraft, — vermehrt unsere Zuversicht — sie,“

„Nicht wahr Tante, gerade in diesem Moment hab’ ich Ähnliches empfunden. — Tatkraft — ich glaube, das ist es. Ich möchte auch anfangen, wie soll ich nur sagen, etwas unternehmen,“

„Ich verstehe, was Du meinst. Komm’, gehen wir in den Garten; dort spricht sich’s besser.“