„Es kommt eben darauf an, was Du unter „Cavalier“ verstehst.“
„No erlaub’ mir. Meine Regimentskameraden zum Beispiel. Frag’ sie der Reihe nach. Sie werden Dir Geschichten erzählen, daß Dir die Haare zu Berg stehen. Namentlich die in den polnischen Garnisonen. Wie der Jud nach allen Seiten hin beschummelt, keinen christlichen Concurrenten aufkommen läßt, sich festsaugt wie ein Vampyr und Einen um den letzten Groschen bringt.“
„Lieber Robert, wenn man die Falle sieht, ist’s jedenfalls recht plump, hineinzugehen. Du bist ja nicht der Erste, der in diesem Sinne spricht. Solange der Jude Geld leiht, ist Alles schön und gut; wenn er aber auf der Rückgabe besteht, dann ist er Wucherer und Räuber.“
„Und findest Du es vielleicht keine Gemeinheit, wenn man die Zwangslage seines Nächsten in dieser Weise ausbeutet? Soll man sich das am Ende ruhig gefallen lassen?“
„Man soll eben rechtzeitig seine Vorsichtsmaßregeln treffen, und sich keine Gefälligkeiten von Leuten erweisen lassen, die man verachtet. Was das Übervorteilen anbelangt, so stimme ich Dir bei. Es ist nieder, gemein. Aber ehrlicher Weise mußt Du zugestehen, daß auch so mancher Christ betrügt, wenn er es unbemerkt anstellen kann. Hier zum Beispiel haben wir keinen einzigen Juden in der Gegend, und die Leute gehen doch auch zu Grunde — nur mit dem Unterschied, daß sie ihr Hab und Gut den christlichen Sparkassen verschreiben.“ Und da Robert verlegen schwieg: „Du siehst also — das Generalisieren ist ein ganz falsches Princip. Es gibt gute und schlechte Menschen in allen Ständen, allen Nationen und Confessionen. Will man ein berechtigtes Urteil fällen, muß man sich persönlich überzeugen: das bloße Hörensagen führt in der Regel zu Trugschlüssen. — — — Und daß die Semiten manche gute Eigenschaft besitzen, die auch uns zur Ehre gereichen würde, kannst Du doch nicht leugnen. Es herrscht eine Eintracht, ein Geist der Zusammengehörigkeit unter ihnen, der gegenseitigen Verantwortung, möcht’ ich fast sagen, der rührend ist, und zu großen Taten führt. Wenn es sich darum handelt, einen der ihren aus Not und Elend zu befreien, den bedrängten Glaubensgenossen beizustehen, leisten sie fürstliche Beiträge. Während bei uns — —! Die humanitären Institutionen vermögen sich oft mit der größten Mühe kaum zu halten. Mit welch’ unerhörten Schwierigkeiten hat die „Rettungsgesellschaft“ zu kämpfen und welch’ schmachvolle Gleichgültigkeit erfuhr die „adelige Hochwacht“ von Seite der Standesgenossen? Jener Edelgesinnte, der die schöne Idee ins Leben rief, wartete vergeblich auf Unterstützung, und der Gram hierüber brachte ihn vorzeitig ins Grab.“
„Wir haben eben kein Geld. Alles gestohlen.“
„Beides unrichtig. Wieder eine Beschuldigung ohne triftigen Beweis. Einer sagt’s in unzurechnungsfähigem Zustand, und die Andern beten’s nach.“
„Geh’, geh’, Du bist ja eine Judenfreundin.“
„Eine Menschenfreundin ja, und bemüht, gerecht zu sein. Mir gilt nur der persönliche Wert.“
„Aber Du mußt doch zugeben, daß die semitische „Rasse“ — denn nur die, nicht die Religion kommt bei unserer Abneigung in Betracht — zahllose widerwärtige Eigenheiten hat. Sprache, Haltung, Blick, Gesichtsschnitt.“