„Nicht nur deshalb. Ich spür’s aber, ich bedarf der Anregung, der Begeisterung, sonst verkomme ich. Ein Ereignis, etwas Besonderes. Ein Nervenkitzel.“
„Du weißt eben nicht zu beurteilen, was die Ruhe wert ist. Du bist noch sehr kindisch, lieber Robert.“
In seiner Eitelkeit tief verletzt und innerlich wütend, weil er kein Wort der Entgegnung fand, verließ er uns.
Nachdem er gegangen, saßen wir noch eine Weile schweigend vor dem Kamin, vertieft in den Anblick der roten Feuerschlangen, die gierig an den massiven Buchenscheitern leckten, daß es prasselte und knallte.
„Der wird kein gutes Ende nehmen“, sagte die Tante seufzend. „Heutzutage bedarf es eines anderen Empfehlungsbriefes, als eines alten Wappenschildes. — — Übrigens bei ihm ist das Standesbewußtsein noch ein relatives Glück, sonst sänke er immer tiefer. Ein bedauernswerter Mensch, der wie mit Gewalt immer nur die Schattenseiten der Dinge aufstöbert, immer unzufrieden, unglücklich.“
„Ich kann mir eigentlich gar nicht denken, daß es Menschen gibt, die den Krieg wollen.“
„O doch, es gibt schon solche Egoisten, die ihn aus rein persönlichen Gründen wünschen. Daß der Krieg ein Unglück, ein Verbrechen ist, daran zweifelt heutzutage kein vernünftiger, rechtlich denkender Mensch mehr, — wohl aber daran, daß man ihn abschaffen kann.“
„Ja, aber dann müßte es überhaupt keinen Fortschritt geben.“
„Ganz richtig. Dann würden wir jetzt noch Höhlenbewohner und Menschenfresser sein.“
Roberts Kopf zeigte sich wieder in der Türe. Er schien seinen Ärger verwunden zu haben und frug, um was für schreckliche Dinge es sich handle — er habe etwas von Menschenfressern gehört.