„Wir reden gerade davon“, erwiderte die Tante, „daß mit fortschreitender Civilisation die rohen Urzustände weichen müssen, und dazu gehört der Krieg.“
„Natürlich“, versetzte er spöttisch.
„Eigentlich würde es mich interessieren zu hören, wie ein Marsanbeter — denn das bist Du ja, — die Unvermeidlichkeit des Krieges motiviert.“
„Die liegt doch auf der Hand.“ Tante Laura blinzelte mir verständnisvoll zu, und er fuhr fort: „Unsere ganze Existenz ist auf den Kampf begründet. Das Eine frißt das Andere auf. So war es seit jeher und so wird es immer sein.“
„Ja, der Kampf ums Dasein ist Naturgesetz und kann in mancher Beziehung ein Ansporn zum Guten sein. In seiner ursprünglichen brutalen Bedeutung aber kann er sich jedenfalls nur auf die Geschöpfe niederer Gattung beziehen. Gerade Ihr Strenggläubigen, die Ihr Euch soviel zugute tut auf Euere Vernunft, müßtet Euch doch scheuen, auf eine Stufe mit dem Tiere gestellt zu werden, das zur einzigen Triebfeder seiner Handlung den Instinkt hat. Und selbst die wilden Tiere lassen sich zähmen. Weshalb sollten wir die Bestie in unserem Innern nicht zum Schweigen bringen? Und dann, auch die Gesetze ändern sich nach der Zeit; die Menschen von heute haben ganz andere Bedürfnisse als die von früher. Die Vorschriften, die vor tausend Jahren am Platze waren, taugen jetzt nicht mehr: man ändert und regelt ja fortwährend daran. Was noch im Mittelalter als Heldentat gegolten, was die Raubritter so berühmt gemacht, der Sieg des Stärkeren, das Faustrecht, das ist nun ebenfalls verpönt.“
„O das waren himmlische Zeiten! Ich bin entschieden um ein paar Jahrhunderte zu spät auf die Welt gekommen.“
„Hättest wohl auch gerne Heldentaten in dieser Art vollbracht?“
„Natürlich.“
„Also Du verteidigst den Mord an und für sich.“
„An und für sich — nein. — Aber ich verstehe nicht recht, wo Du hinaus willst“, versetzte er unsicher.