Aufseufzend warf die zierliche Frau einen Blick in die Runde, betrachtete die vier Gestalten mit den breiten Schultern, dem trotzigen, kurzen Genick — sah auf die üppigen Münder, hinter denen die blanken Zähne lauerten, sah in die vier jungen Augenpaare, in denen der trotzige Spruch geschrieben stand:
„Mir selbst zuliebe!“
Wildpflanzen waren sie alle vier! — Schon in ihrer zarten Jugend waren die Birkenschen Kinder bekannt gewesen für ihre Ungezogenheit.
Der Baron hatte die Erziehung seiner Sprößlinge völlig seiner Frau überlassen: er selbst war vollauf damit beschäftigt gewesen, das Grandseigneur-Leben zu führen, das er liebte.
Er war seinerzeit als wenig begüterter Junker bei den Hahndorfer Dragonern eingetreten; trotz seiner geringen Zulage hatte er von allen Herren des Regiments am elegantesten gelebt.
Er hatte Glück. Gerade als seine Schulden anfingen, bedenklich zu werden, starb sein Onkel, der kinderlose Besitzer von Sarkow, der einst ihm, dem Verwaisten, Vormund gewesen und ihm nun Sarkow vererbte.
Er hatte sich sofort zur Reserve überführen lassen. Der Dienst hatte ihm, der einen starken Hang zur Bequemlichkeit hatte, nie viel Freude gemacht. Es war mehr die Tradition seiner Familie als innere Notwendigkeit gewesen, die ihn zum Soldaten gemacht.
So hatte er denn ganz gern den bunten Rock mit dem Frack vertauscht, den er an lustigen Abenden in Monte Carlo, Spa, Trouville und Biarritz trug.
Johann Birken war fast zwei Jahre auf Reisen gewesen, ehe er sich persönlich der Verwaltung seines Gutes widmete.
Er fand Sarkow sehr langweilig — so langweilig, daß er auf die Idee verfiel, sich zu verheiraten.