Ihre Geisteskräfte schienen zu wachsen in dem scharfen Training, das sie ihnen zumutete, und sie spornte sich selbst immer mehr an.
Weltgeschichte, Chemie, Physik — je mehr, je besser! Mit einem wahren Heißhunger nahm sie alles Gebotene in sich auf und tat weit mehr, als das Pensum erforderte. Ihre Neigung zu Vergnügungen, zum Flirt, trat nun völlig zurück.
Sie wollte nichts weiter, als möglichst ungestört über ihren Büchern brüten. Allein an der Art, wie sie ein Buch aufschlug, wie sie den Einband mit liebkosenden Fingerspitzen umspannte, als sei es eine kostbare Frucht, sah man die Wonne, die es ihr bereitete, sich in den Inhalt zu versenken.
Die Brüder, denen besonders die alten Sprachen unangenehmer Zwang waren, spotteten, wenn sie Monika über den Homer gebeugt sahen.
„Du wirst noch ’ne richtige verdrehte alte Schachtel werden,“ sagte ihr Alfred.
Heinrich erklärte ihr Lernen für „im höchsten Grade unweiblich“.
Karl enthielt sich jeder gesprochenen Meinungsäußerung, aber oft sah er, Butterbrote kauend, seiner Schwester mit entgeistertem Kopfschütteln zu. Wie es Menschen geben konnte, die gern lernten, war ihm ein unheimliches Rätsel.
Frau von Birken zeigte sich von Monikas Lerneifer sehr befriedigt, aber bald trat ein Ereignis ein, das sie verhinderte, auch nur noch einen Gedanken für Monika zu haben: das geliebte Heinzemännchen wurde krank.
Er litt an sehr schmerzhaften Magenkrämpfen. Was es eigentlich war, war nicht mit voller Sicherheit zu ermitteln.