Monika behauptete, daß Heinrichs Mostrichkur wahrscheinlich eine gewisse Rolle spiele. Er hatte nämlich vor einigen Wochen erklärt, daß als Hauptnahrungsmittel für ihn nur Mostrich in Betracht käme.
Die Baronin, der es völlig unmöglich war, ihrem Lieblingssohne irgend etwas abzuschlagen, hatte ihn gewähren lassen, und so hatte Heinrich viele Wochen lang unglaubliche Quantitäten Mostrich vertilgt.
Möglich, daß ihm diese selbsterfundene „Stärkungskur“ schlecht bekommen.
Jedenfalls waren die von Zeit zu Zeit bei ihm auftretenden Magenkrisen so unsäglich schmerzhaft, daß der Arzt Morphiuminjektionen verordnete.
Frau von Birken überließ sich lauten Verzweiflungsausbrüchen.
Ihr Mann hatte in den letzten Monaten seines Lebens Morphium bekommen, und diese Tatsache genügte ihr, um Heinzemännchen einem nahen Tode verfallen zu sehen.
„Aber das sage ich Euch, wenn Heinzemännchen stirbt, dann lege ich mich gleich mit dazu!“
Sie ließ ihn völlig von der Schule dispensieren und verbrachte ihr Leben damit, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie leistete gastronomisch geradezu Wunderbares. Die einfache, reizlose Diät, die der Doktor ihrem Sohne verordnet, leuchtete ihr nicht ein.
„Das ist doch gar nichts Kräftiges! Das sind alles so übermoderne Anschauungen: Gemüse und Obstsaft! — Früher hat jeder Doktor Ungarwein und Beefsteak verordnet — da kann man sich doch denken, daß das Kraft gibt. Man muß den Appetit reizen — das ist die Hauptsache! — Heinzemännchen, Du bekommst heute ein Rumsteak mit geschabtem Meerrettich und Kräuterbutter und einen Sherry — na, Du wirst ja sehen.“
Heinrich war mit seiner Krankheit ganz zufrieden.