Da hielt der Mutter Bedenken nicht stand. In fliegender Hast griff sie von neuem nach dem kleinen Etui.

Noch eine kurze Zeitspanne — dann schien die gewünschte Wirkung einzutreten. Die schmerzhafte Spannung aller Glieder ließ nach, die qualdurchfurchten Gesichtszüge glätteten sich.

Dankbar nickte Heinrich seiner Mutter zu. Zum Sprechen war er zu müde.

Auf Zehenspitzen schlich Frau von Birken ins Nebenzimmer.

„Gott sei Dank, Mone, endlich hat’s gewirkt, das Morphium. Ich habe ihm noch eine Spritze gegeben, dem armen Liebling. Jetzt hat er wenigstens Ruhe.“ Dann ging die Baronin in die Küche und unterhielt sich mit Martha, die, seitdem der junge Herr leidend war, in der Erzählung von merkwürdigen Krankheitsfällen schwelgte.

Monika, die über einer Mathematik-Aufgabe brütete, wurde aus ihrer Arbeit gestört durch einen sonderbar röchelnden Ton, der aus dem Nebenzimmer drang.

Sie ging zu Heinrich hinein. „Laß doch bloß dieses gräßliche Schnarchen, man kann überhaupt nicht arbeiten dabei.“

Ihr Bruder antwortete nicht.

Und wieder der röchelnde Ton, der sich aus seinem halboffenen Munde rang.