Er überlegte gerade, ob er sie um ein Rendezvous bitten solle, als die Logentür heftig aufgerissen wurde.
Monika fuhr mit einem halblauten Schreckensschrei zusammen; sie vermutete einen Racheengel in der Gestalt von Heinzemännchen, der sie zwar nicht mit flammendem Schwerte, aber mit der Drohung von der „verletzten Familienehre“ aus diesem Paradiese vertreiben würde. Aber es war nur ein Artillerieleutnant mit liebebedürftigem Gemüt, der sich, eine üppige, schwarzgelockte Pseudo-Italienerin am Arme, in diese Logen-Einsamkeit zu flüchten suchte. Enttäuscht klappte er die Tür gleich wieder zu.
Man blieb von neuem allein, aber in Monika regte sich nun doch das Gewissen; sie raffte den Korb mit den Rosen auf, der die ganze Zeit ihr zu Füßen gestanden, und bezichtigte sich selbst einer schreienden Herzlosigkeit gegenüber den unglücklichen Lungenkranken. Da sitze sie nun seit einer guten halben Stunde hier, statt ihre Blumen zu verkaufen.
„Bitte, bitte, bleiben Sie doch,“ bat er, „ist es denn wirklich ein größeres Vergnügen, sich da drunten abzuhetzen und allen möglichen Leuten Rosen anzubieten?“
„O, sicher ist es hübscher hier,“ sagte Monika mit naiver Offenherzigkeit, „aber meine Rosen — —“
„Ich kaufe sie Ihnen alle ab, dann bekommen die Lungenkranken auch ihr Scherflein, und Sie brauchen sich nicht anzustrengen, sondern bleiben noch ein bißchen hier und erzählen mir von den Wundern, an die Sie glauben!“
Monika war unschlüssig. Sie wußte nicht, ob der vorgeschlagene Handel korrekt war. Aber sie ließ es geschehen, daß der Unbekannte ihr die Rosen aus dem Körbchen nahm und eine Banknote dafür hineinschob.
Und sie blieb mit schlechtem Gewissen, in Angst vor Strafe, — aber sie blieb. Und fühlte sich selig wie noch nie im Leben! Es war ihr förmlich ein körperliches Wohlgefühl, in diese kalten, grauen Augen zu sehn, diese scharfe, ans Befehlen gewöhnte Stimme zu hören.
Noch eine Viertelstunde..... und noch eine.... Aber endlich rang sie sich es doch ab, wieder hinunterzuwollen an die Stätte der Pflicht, den Verkaufsstand ihrer dame patronesse.
„Wirklich, — wirklich, ich muß jetzt weg.“